Andere Stimmen, andere Räume
Ziegelsteinhäuser mit eigener Toilette, Waschbecken und Dusche. fließend Warmwasser, ein Stromgenerator zur Versorgung der Häuser, Gemeinschafts- und Versorgungsräume. Im Aufenthaltsraum gibt es einen Fernseher und einen Billardtisch. Eine Putzkolonne ist dafür verantwortlich, die Gebäude sauber zu halten. Das Essen wird von einem professionellen Team in der Großküche zubereitet. In der Speisekammer lagern Konserven, Milch, Süßigkeiten, Sahne und Trockenprodukte. Ein Lieferwagen bringt regelmäßig frisches Obst und Fisch. Letztes ist rar mitten in der Wüste, erklärt einer der Bewohner der Unterkünfte. In ihrem nach westlichen Erwartungen ausgerichteten Komfort lebt auch Regisseur Clemence Ancelin, dessen stringentes Dokument die künstliche Veränderung einer Sozialarchitektur stenografiert.
Einfache Steinhütten mit rudimentärer Einrichtung in einem einzigen Innenraum. Der Lieferwagen hält nicht an ihrem Quartier, keine Putzkräfte reinigen es und niemand bekocht es, aber es gibt Strom und eine Gemeinschaftsküche. »Es ist ein gutes Leben«, sagt der junge Mann, der in einer der Bleiben haust. Hinter dem Maschendrahtzaun leben die Menschen in aus Zweigen und Stroh geflochtenen Hütten. Darinnen eine Strohmatte als Schlafstelle und eine offene Feuerstelle zum Kochen. Kein Wasser, kein Strom. Nur Metallschüsseln und Plastikflaschen in den Ästen der Dornenbäume, um Regenwasser aufzufangen.
Die Kartografie eines spezifischen Ortes spiegelt die einer Gesellschaft. Die Arbeiterstadt in der Wüste des Tschad wird zum Miniaturmodel des kommunalen Großraums, wo Segregation zur paradoxen Folge der Klassenverschiebung wird, deren unaufhaltsame Wechselwirkung der Regisseur im Titel definiert.