WETTBEWERB - Flying swords of Dragon Gate (China 2011)
19.02.2012
Enter the Dragon Gate
War je ein Genre des asiatischen Kinos geschaffen für dreidimensionale Effekte, so scheint es fernöstliche Variation des Abenteuermärchens, die Fantasy, Kampfaction und Romantik vereint in einem historischen Setting, das von klassischen Helden bevölkert wird. Ihr erster ist Zhou Huai'an. Ein ruchloser Gesetzloser für den unerbittlichen Kaiser, ein Beschützer der Witwen und Waisen für die einfache Bevölkerung, ein maßgeschneiderter Part für Action-Star Jet Li, der prototypische Held für das Publikum, all das ist der verbrämte Kämpfer - und dennoch nichts. Von LIDA BACH
Keine authentische Persönlichkeit, kein Charakter. In dem Prolog, den der Regisseur und Autor gleich einer inszenatorischen Vignette der Haupthandlung voran setzt, absolviert Zhou seinen ersten Schaukampf so blitzschnell, dass nicht nur das Auge seiner Gegner, sondern auch das des Zuschauers ihn kaum zu fassen kriegt.
House of Flying Daggers
Wie ein Mythos erscheint der wandernde Rächer jenen, die ihn auf der Leinwand sehen – ob sie ihm als Nebenfiguren gegenüberstehen oder als Publikum im Kinosaal gegenübersitzen. Wie es sich für eine legendäre Figur geziemt, verschwindet er für den gefühlten Großteil der restlichen zwei Stunden Filmzeit und mit ihm der vorgebliche Hauptdarsteller Jet Li. Da dessen physische Wendigkeit in auffälligem Kontrast zu seiner mimischen Immobilität steht, ist das kaum bedauerlich. Im Gegensatz zum Abtritt von Zhous Widersacher, dem Leiter des East Bureau, den der Kult-Darsteller Gordon Liu verkörpert. Da die Gestalt des Wanderkriegers untrennbar mit dem auf eine jahrhundertelange schriftliche und noch ältere erzählerische Tradition zurückblickende Wuxia verwoben ist, tritt an Zhaos Stelle die nicht minder martialische Tataren-Anführerin Ling Lanqiu (Zhou Xun).
Ling rettet die bedrängte Konkubine Su (Mavis Fan) vor dem mörderischen Ränkespiel der Kaiserin, die ihrerseits mit dem eisernen Kommandanten Yu Huatian (Chen Kun) im Bunde ist. Denn wo es ein East Bureau gibt, gibt es auch ein West Bureau und EBI und WBI fungieren vereint als altchinesisches Pendant zum amerikanischen FBI. Der Kopf des East Bureau wird von Zhou im Prolog um selbigen kürzer gemacht, weshalb er nicht plötzlich aus dem Nichts wieder auftauchen kann. Letztes zählt zu den bevorzugten Erscheinungsarten Zhous, den es gleich den übrigen Figuren zum berüchtigten Dragon Gate Inn zieht. Obwohl mitten im Nirgendwo gelegen ist die Spelunke ein rentabler Standort, nicht nur weil sich dort Banditen, Soldaten, Konkubinen, Staatsmänner und Staatsfeinde zum Schwerttanz treffen, sondern es nebenbei auf einer untergegangenen Stadt liegt.
Fliegende Klingen
Die wird nach 60-jähriger Frist ein Sandsturm frei wehen. Wer jetzt glaubt, das ist noch eine Weile hin, hat die ganze Geschichte nicht verstanden. Der Sturm ist die dramaturgische Quintessenz des visuellen Prestigeduells, dass statt der Protagonisten CGI und 3D unter sich ausmachen. Ein Sturm den Gesetzen der Schwerkraft trotzender Kampfkunst bricht über die Schurken herein, ein Sturm von Eifersucht, Hass und noch lange nicht erkalteter Liebe tobt durch das Epos und ein Sturm von Nebenfiguren in Gestalt von Doppelgängern, Spiegelfiguren und alten Bekannten tummelt sich in einem Sturm unzähliger verworrener Erzählstränge. Psychologisch sind die Figuren so stumpf wie die Klingen scharf sind und der Plot so sperrig wie die Bewegungen geschmeidig.
Frischen Wind in das asiatische Action-Kino zu bringen vermag der Sturm bombastischer Effekte nicht. Die Pforten des »Dragon Gate Inn« öffnete Regisseur King Hu im gleichnamigen Klassiker weit eindrucksvoller. Fast drei Jahrzehnte später drehte Tsui Hark mit New Dragon Gate Inn ein Remake, das er trotz gegenteiliger Beteuerungen mit Flying Swords of Dragon Gate de facto erneut verfilmte. Künstlerisch ist der wohlweislich außer Konkurrenz gezeigte WETTBEWERBsbeitrag ein laues Lüftchen, das weder erzählerisch noch inszenatorisch Staub aufwirbelt.
Titelangaben:Flying swords of Dragon Gate (China 2011)
R: Tsui Hark
D: Jet Li, Zhou Xun, Chen Kun, Li Yuchun, Kwai Lun-mei, Louis Fan, Mavis Fan, Wu Di, Zhuang, Guoqi, Li Yuan, Gordon Liu, Zhang Xinyu
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