Wienke Treblin: 4 Gedichte
24.10.2005
Man meint im Konkretem verzangt, dann trudelt man leicht ins Abstrakt. Man wähnt Weltfestlichkeit der Romantik, schon graben die Zeilen nach schierem Jetzt. Breit tritt ein Intellekt in Gravität auf den Plan, schon kuscht ein Kind in heimliche Haine davon... So reich kann Sprache uns beschenken, dass man unweigerlich die Stirn gegen den Himmel werfen und die Lippen öffnen mag - in diesem guten Regen.
(Die Redaktion)
Wegstille
„So“ zu sagen, wie ich es tue, zeugt von einem Anderen.
Sinneswandlungen sind von dem Programm gestrichen.
Machen was ich will kann ich nicht mehr.
Gib mir die Brillen, Lupen und Ferngläser zurück
Sehhilfen sind nichts für Besseresser.
Ein letztes Mal noch werde ich die kleinen Schnittstellen gießen
und auf Heilung horchen.
Dein schöner Kopf bewölkt meine Gründlichkeit.
Zerwartet endet eine Zeit.
Funkelgabe
Manchmal sind die Nächte alltäglicher und
gespickt mit hellen Sonnenstrahlen.
Unter Tage schlafe ich mich emsig
durch meine dunklen Machenschaften.
Zu viele reizende Ablenkungsmanöver
in deinem Bauch.
Ich grabe ein Loch in die Dämmerung
und taue mir meine vier Wände auf.
Per Anhalter ins stille Kämmerlein.
Manchmal bremst der Fahrer
an fremden Orten, hier bin ich zu Hause.
Felsenfest fühlt sich der Windhauch an
von Zeit zu Zeit.
Manchmal wandere ich knochenlos
durch die Bäume und spinne
mir deinen Kokon aus Regentropfen zusammen.
Um was es hier geht
steht.
Nachbehagen
Die Taschen sind gepackt mit Bildern und Freudentränen,
unser Gefährt steht in den Blumen
Alsdann beginnt die Reise in die kommende Zeit.
Wir teilen uns die Strecke,
du darfst ruhig müde sein, ich wecke dich
wenn wir nicht mehr da sind.
Leg deinen Kopf in meinen Nacken,
wir finden Erklärungen, die niemand weiß.
Falls wir noch einmal zurückkehren
wird sich das Brausen in Güte verwandelt haben.
Samt und sonders wird ins Glänzende gewachsen.
Ohne Anstand brüllt man leiser.
Mit der Sonne in den Haaren
fahren wir in den Wandschrank der Weisheit.
Brausezone
Auf der Suche nach Gestern findet das Heute
oft nur am Rande statt.
Der Morgen wartet im Norden
gegen den Regenbogen gelehnt.
Warum die alte Leier ständig im Kreise lauert
weiß keiner.
Aber große Verwirrungen klopfen laut und leise
auf meine Schulter.
Ich drehe mich langsam auf
die aufgehende Seite meiner Musikinstrumente.
Der Schlussakkord klingt nach mehr Sehnsucht
als man hören kann.
Weg damit!
Lachfältchen kitzeln dich an der Oberfläche.
Ruhig glückt mein Lotterleben.
Wiebke Treblin: geb. 1973 in Rotenburg, 2001 Designstudium in Krefeld, Schreiben und Illustration seit 2004Veröffentlichung: "Gedankenflug", Klartext-Verlag 2005. Illustrationen zu Aphorismen