Thomas Kistner: Fifa-Mafia TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 14:17

 

Puntila, Wal-Mart und die Gewerkschaft

12.02.2007

Entmachtete Gewerkschaften

Wir dürfen neugierig sein, ob die Gewerkschaften zulassen werden, dass Wal-Mart Verhältnisse wiedereinführt, die als überwunden galten, oder ob es ihnen gelingt, trotz Arbeitslosigkeit, trotz unternehmerischer Erpressungsversuche eine breite Solidarität mit den Angestellten von Wal-Mart zu organisieren. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Herr Puntila hat im Suff auf dem Gesindemarkt Tagelöhner engagiert. Sie kommen auf dem Gut Puntilas an. Der ist aber mittlerweile nüchtern und schickt die Arbeitsuchenden wieder fort. Die Tagelöhner drohen: sie werden sich beschweren. Worauf Puntilas Chauffeur Matti fragt: „Wo?“ Das heißt das Wesen der Klassenjustiz auf den Begriff bringen.

Der berüchtigte Wal-Mart-Konzern hat sich einen neuen Coup einfallen lassen. Künftig sollen Angestellte auf Abruf bereit stehen, um innerhalb kürzester Frist an ihren Arbeitsplatz zu kommen, wenn Arbeit anfällt. Sie wissen nicht, für wie viele Stunden sie jeweils gebraucht werden, sie wissen nicht, wie viel sie verdienen werden und ob das für die Miete reicht. Das ist die Rückkehr des Tagelöhner-Systems in die globalisierte Wirtschaft. Menschen werden wie verschiebbare Maschinenteile behandelt, die sich den Erfordernissen des Umsatzes in noch höherem Maße unterzuordnen haben, als das ohnedies schon der Fall war. Puntilas Willkür nimmt sich da vergleichsweise gemütlich aus.

Dass unsere Welt menschlicher, dass die Arbeitsbedingungen angenehmer werden sollen, ist eine längst verabschiedete Utopie. Der Kapitalismus schlägt mit einer Schamlosigkeit und einer Brutalität zu, die selbst die schlimmsten Pessimisten nicht vorausgesehen haben. Das scheint aber die bürgerlichen Ideologen in den Medien und in der Wissenschaft größtenteils nicht zu jucken. Sie faseln von Zwängen und erklären uns gebetsmühlenartig, dass der Kapitalismus der Garant der Freiheit sei. Wessen Freiheit? Nur der Freiheit der Puntilas?

Und die Gewerkschaften? Machen wir uns nichts vor: sie sind de facto entmachtet. Sie konnten nicht verhindern, dass in den vergangenen Jahren der Reallohn in vielen Bereichen gesunken ist, dass die Arbeitszeit verlängert, statt verkürzt wurde, dass in Jahrhunderten von der Arbeiterbewegung erkämpfte Rechte wieder rückgängig gemacht wurden. Sie werden, selbst von konservativen Politikern, pro forma akzeptiert, weil sie objektiv betrachtet Konflikte entschärfen und weitgehend für Ruhe im Lande sorgen. Man könnte ja auf die Idee kommen, dass es noch andere als gewerkschaftliche Maßnahmen gibt, wenn einem die Weihnachts- und die Urlaubszulagen gestrichen werden oder wenn Produktivität mehr zählt als die Verhinderung von Arbeitsunfällen.

Wir dürfen neugierig sein, ob die Gewerkschaften zulassen werden, dass Wal-Mart Verhältnisse wiedereinführt, die als überwunden galten, oder ob es ihnen gelingt, trotz Arbeitslosigkeit, trotz unternehmerischer Erpressungsversuche eine breite Solidarität mit den Angestellten von Wal-Mart zu organisieren. Denn es gilt immer noch Mattis Antwort, wenn diese sich beschweren wollen: „Wo?“

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Karfreitags-Tanz

Wie schon im vergangenen Jahr gibt es auch dieses Jahr wieder in Hessen Ärger, weil aufgrund eines Gesetzes von 1952 am Karfreitag und Ostermontag das Tanzen in der Öffentlichkeit ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Schweizer Käse!

Fromage suisse!

Swiss Cheese!

Andreas C. Studer wollte mit Meine Schweizer Kühe seiner Heimat, Herkunft und den Lieferanten seiner Kochzutaten ein Denkmal setzen. Ein Anhang mit Rezepten aus Milchprodukten soll ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Qualtinger als Thoreau

Die Indizien weisen zunehmend darauf hin, dass der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Mappus, in seiner Amtszeit gegen die Verfassung verstoßen hat, als er bei ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL