Die Tiger Lillies komponierten nach Hoffmanns Werk ihre schaurig-schräge Junk-Opera Shockheaded Peter. Das Berliner Gorki Theater trägt das Stück der Moritaten-Tenöre in seiner aktuellen Spielzeit als jugendfreies Grusical vor. Reimerich Kinderlieb stand 165 zuvor über der Erstausgabe. Ein Sammlung in drolligen Versen erzählte Bildergeschichten für Kinder, eigentlich aber für die ganze Familie, damit sie sich gemeinsam daran erquicke. Sein Geschenk an die Welt hatte der Autor, der sich selbst nie als Schriftsteller gedacht hatte, zuvor seinem dreijährigen Sohn auf den Gabentisch gelegt. „Die Wirkung auf den Knaben war die erwartete.“
Das Gegenstück zum Struwwelpeter sind nicht die diversen Anti-Struwwelpeter oder gar Struwwelliesen, sondern Alice im Wunderland und Durch den Spiegel. Frei von Mahnung oder Moral karikiert Lewis Carolls Werk in den Bewohnern von Wunderland und Spiegelwelt, die Erwachsenen als pedantisch, phlegmatisch und besserwisserische (die verrückte Teegesellschaft), arrogant bis zur Selbstherrlichkeit (Humpty Dumpty), überempfindlich (die sprechenden Blumen) und drakonisch strafend (Herzkönigin). Die gleichen Eigenschaften vertreten die Autoritätsfiguren in Hoffmanns Buch, hier jedoch als Ideal gegenüber den ungebärdigen Kindern. Nichts sei schrecklicher als die Mitleidlosigkeit anderer gegenüber dem eigenen Leid, kommentierte Shirley Jackson einmal ihre Erzählung Die Lotterie. Diesen Schrecken verkörpern Hoffmanns Autoritätsfiguren, die gleichgültig bleiben, wenn Kinder sich zu Tode hungern, verstümmelt werden oder stürzen.
„Suppenschüssel ist entzwei und
Und die Eltern stehn dabei.
Beide sind gar zornig sehr,
Haben nichts zu essen mehr.“