Ein ausführliches Vorwort der Herausgeberin, Kurzbiografien aller vertretenen Illustratoren aus Deutschland, Schweden, Tschechien, Österreich Großbritannien, der Schweiz und den USA und Einleitungen zu jeder Erzählung erlauben nicht nur eine optische, sondern kunsthistorische Neuentdeckung der Grimms Märchen. Matthew R. Price' neue englische Übersetzung ist dabei auch für deutschsprachige Leser interessant, wird das lautmalerisch anmutende »Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See ...« des Fischers zum geschmeidigen Reim:
»Though a little man You claim to be
Oh flounder, flounder in the sea.
My dear wife the Ilsebill
What she wants is not my will.«
Mit ihrer Unterschiedlichkeit in Zeichenstil, Stimmung und Interpretation öffnen die bestechenden Illustrationen die Augen für die auffällige Verschiedenheit der Märchen. Oft mehr als Gesamtheit betrachtet denn als das, was sie tatsächlich sind, eine Sammlung von Einzelwerken, die fester in einem eigenen motivischen Rahmen als dem der Grimmschen Märchenbücher verankert sind, variieren die Erzählungen in Länge, Atmosphäre, Kontinuität und Symbolik. Tollkühne Possen wie Die Bremer Stadtmusikanten stehen neben ernsten Morallektionen wie Der Fischer und seine Frau, Zaubernovellen wie Der gestiefelte Kater neben Tierfabeln wie Hase und Igel. Schlichte Lehrstücke wie Die Wichtelmänner neben anarchistischen Abenteuern wie Das tapfere Schneiderlein. Naive Segensgeschichten wie Sterntaler neben dem barbarischen Schrecken von Machandelbaum.