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Freitag, 25. Mai 2012 | 14:33

 

Mathias Tretter

20.08.2007


Nicht ärgern lassen


Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter. Zu hören im
Hessischen Rundfunk, zu lesen im Titel-Magazin. Woche 34

 

Es wird düster in Europa: Erst wird die Milch teurer – und jetzt nehmen sie uns auch noch die Barbie-Puppen weg. Rückruf-Aktion. Es ist raus gekommen, dass die Spielsachen vom US-Hersteller Mattel schädlich für Kinder sind. Also, wenn man sich das Zeug, das die verkaufen, so anschaut – das hätte ich Ihnen auch schon vor dreißig Jahren sagen können.
Aber Sie glauben nicht, was das in den letzten Tagen für eine Heulerei bei uns zuhause war, seit Schmink-Barbie, Ken und ihr Camping-Mobil auf dem Weg zurück nach China sind! Meine Freundin hat schließlich einen riesigen Captain Blaubär kaufen müssen, der hat mich ein bisschen getröstet.
Der Mattel-Boss Bob Eckert hat eine ganzseitige Anzeige geschaltet, in mehreren Tageszeitungen – Titel: „Weil Ihre Kinder auch unsere Kunden sind“. Quatsch! „- unsere Kinder sind.“ – „Weil Ihre Kinder auch unsere Kinder sind.“ Deswegen müssen wir alle zusammen halten gegen die fiesen Chinesenkinder, die in den Sweat Shops sitzen und unser Spielzeug mit Bleifarben bemalen!

Und was die alles vergiften: In Panama sind hundert Menschen an chinesischem Hustensaft gestorben. Zahnpasta mit Diethylen-Glykol, ich sage Ihnen, die sorgt für ein Lächeln, wenn sich die Gesichtslähmung unter der Nase breit macht. In den USA sind Tausende von Hunden und Katzen an verseuchtem Tierfutter verendet – und was glauben, Sie was erst in den China-Restaurants los war!

Das ist die Ungerechtigkeit der Globalisierung: Da zahlt Mattel denen einen Euro am Tag – und dann haben die Soja-Schratzen nichts Besseres zu tun, als dem Matchbox-Chrysler Blei auf den Spoiler zu kleistern. Also, ich weiß nicht, wies Ihnen geht - ich würde Bob Eckert gern mal zu meinem Lieblings-Italiener nach Duisburg einladen. Dort kann er vielleicht noch was erreichen. Da ist sogar die Luft bleihaltig.
Mich wundert ja, dass sich Wolfgang Schäuble noch nicht zu Wort gemeldet hat: Präventivhaft für Chinesen. Alles potentielle Terroristen! Knallt den Wang aus seiner Nudel-Bude!

Es wird weltweit immer martialischer. Haben sie die Nacktfotos des russischen Präsidenten gesehen? Als Angler-Rambo mit gereckter Rute Sibirienstrand - geht’s noch n bisschen unrealistischer? Aus russischen Gewässern holt man Fische mit der Schaufel.

Vladimir zeigt uns die Putin-Brust. Wenn das bei Staatschefs Schule macht, dann können wir Deutschen uns auf was gefasst machen. Unsere nationale Schmink-Barbie hat die Woche Grönland besucht. Angela Merkel war mal wieder in Sachen Klimaschutz unterwegs. Und zwar in einem Airbus, einem Wasserflugzeug und zwei Hubschraubern.
Sie wollte sich persönlich ein Bild von der Erderwärmung machen. D.h. sich mit eigenen Augen anschauen, wie Eis schmilzt. Die Frau ist ja promovierte Physikerin. Aber das war eben in der DDR – für so komplexe physikalische Versuche war da kein Geld da.
Zwei Tage stand sie da in ihren Hochwasser-Hosen und hat den Klimawandel beobachtet. Der Meeresspiegel steigt im Moment um 0,3 Zentimeter pro Jahr. D.h. Frau Doktor konnte eine Springflut von 0,06 Millimetern miterleben. Sowas kann ein Leben verändern. Zu allem Überfluss war Sigmar Gabriel dabei. Der SPD-gewordene Tiden-Hub. Der braucht den Amis nur zu drohen: Ich hüpf in den Atlantik – und New Orleans ist endgültig Geschichte.

Wir sollten das ausnützen – die sind sowieso angeschlagen. Die US-Banken wackeln, der Irak brennt, ein paar Hunderttausend lutschen weiter an Barbie-Puppen – und jetzt ist auch noch Karl Rove zurück getreten. Karl Rove – für diejenigen, die ihn nicht kennen: Das ist so eine Art Bischof Dyba mit Atomwaffen. Alle Zeitungen schreiben, er sei das Gehirn von George W. Bush. Hab ich mir auch gedacht: Der hat sich ja bislang gut versteckt.
17 Monate hat George W. noch. Die taumelt er jetzt mit ganz und gar entleertem Oberstübchen durch das Oval Office. Rein vegetativ, wie so ne fleischfressende Pflanze. Sie könnten so leicht haben, die Amerikaner. Washington hat doch nen schönen botanischen Garten - was muss der Deppenblütler denn das Weiße Haus bestäuben? Bush: der Name ist Programm.

Vielleicht Sie finden einen Nachfolger fürs präsidiale Hirn. Wie wärs mit Edmund Stoiber? Stellen sich allein die linguistische Kombination vor. Bush sagt Sachen wie: „The vast majority auf our imports come from outside the country.“ – „Die meisten unserer Importe kommen aus dem Ausland.“ Und da jetzt noch den Edmund drauf gepackt: „The äh vast äh äh majority of our äh exports äh äh implants äh explants exports come with äh the transrapid.“ Wunderbar. Eines allerdings sollten sich die Amis vorher klar machen. Bei Stoiber ist immer auch ne Rückruf-Aktion drin.
Nicht ärgern lassen!

© Mathias Tretter







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