TATORT (ORF) - Kein Entkommen (05.02.2012) Didier Convard / Jean-Christophe Thibert: Kaplan & Masson Band 1, Die Chaostheorie Der Schauspieler Gary Oldman im Interview GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XLI Kernnzeichen T - 27.01.2012 Deponia
Mittwoch, 08. Februar 2012 | 08:29

 

Audio: Mathias Tretters Wochenrückblick (KW 22)

25.05.2009


Nicht ärgern lassen

Der satirische Wochenrückblick von Mathias Tretter. Zu lesen im Titel-Magazin, zu hören im Hessischen Rundfunk. Woche 22

 

Es rumort wieder ganz heftig in Hessen, und man mag es kaum fassen: Andrea Ypsilanti ist gar nicht dran beteiligt. Nein, diesmal geht’s um Männer; und zwar Männer, die schon qua ihres Amtes mit unmoralischen Angeboten nichts am Hut bzw. an der Mitra haben: Karl Kardinal Lehmann und Peter Steinacker, seines Zeichens Kirchpräsident von Hessen-Nassau. Die sollten zusammen mit dem Orientalisten Navid Kermani den Hessischen Kulturpreis erhalten, Nun, selbst wenn man die Namen jetzt nicht kennt - allein die Kombination macht den konservativen Geist stutzig. Lehmann, Steinacker, Kermani - das klingt ja wie Jamaika-Koalition. Wie Kampf der Kulturen, Kreuzzug, Türkenkriege, Gammelhack im Döner. Und dann hat es Kermani zu allem Überfluss auch noch gewagt, einen Artikel über ein Kreuzigungsgemälde zu schreiben - das muss man sich vorstellen! Christen äußern sich ja auch nicht über die Inhalte des Islam - außer vielleicht der Papst




Also haben Lehmann und Steinacker den Preis erstmal abgelehnt. Die Verleihung wurde solange verschoben, bis sich die Preisträger geeinigt haben oder ein neuer Preisträger gefunden ist. Kermani war ja auch schon nicht die erste Wahl. Der ursprüngliche Preisträger Fuat Sezgin hatte aber was gegen den vierten Preisträger Salomon Korn. Ja, Sie sehen, in der Geschichte steckt durchaus Potential. Arte überlegt sich bereits, das Ganze als Kultursoap zu verfilmen. ‚Gute Preise, schlechte Preise‘. 52 Folgen. Ab der 30. Folge steht ein sechster Preisträger vor der Tür - Marcel Reich-Ranicki: „Ich nehme diesen Preis nicht an.“

Vorerst wird aber panisch gesucht, für den Fall, dass die Streithähne sich nicht einigen. Das Preiskuratorium braucht unbedingt einen Angehörigen des muslimischen Glaubens, wegen der konfessionellen Quote. Wir haben 3,5 Millionen Muslime in Deutschland - da wird sich doch einer finden lassen! Natürlich, es ist ein Kulturpreis, d.h. der Preisträger sollte schon mal etwas mit Kultur gemacht haben - ein Flippers-Konzert besucht oder ein Sarah-Bernard-Törtchen gegessen.

Bevor jetzt aber hessische Talentscouts durch die Moscheen, Bauchtanzgruppen und türkischen Bäder dieser Republik ziehen, auf der Suche nach jemandem, der den Preis annimmt, ohne sich vorher zu äußern, möchte ich einen Kompromiss vorschlagen. Ich wüsste einen hervorragenden Empfänger des Hessischen Kulturpreises: nämlich mich. Ich bin zwar kein Muslim, dafür so eine Art geistiger Taliban: Politisch vollkommen verquer, mit seltsamen Klamotten und nirgendwo zu integrieren - das können Sie alles von mir haben. Das wäre doch mal eine große Geste der Toleranz: Der Hessische Kulturpreis 2009 für Mathias Tretter. Roland Koch könnte endlich beweisen, dass auch er ein Herz für Minderheiten hat. Er steht ja an der Spitze des Preiskuratoriums und sein Wort wird im interkulturelle Dialog sehr genau wahrgenommen.

Also, meine Damen und Herren, wenn Sie auch möchten, dass dem Image des Kulturpreises von Hessen, der noch immer als eine der wichtigsten kulturellen Auszeichnungen der Welt gilt, dass dem nicht weiter Schaden durch entwürdigende Debatten zugefügt wird, schreiben Sie an die hessische Staatskanzlei und stimmen Sie für mich als neuen Kulturpreisträger. Die Adresse lautet: Georg-August-Zinn-Straße 1, 65183 Wiesbaden. Oder senden sie eine Email an: info@stk.hessen.de.

Falls wider Erwarten nicht genug Stimmen für mich eintreffen, plädiere ich dafür, den Preis Peter Sodann zu verleihen. Der ist eine noch größere integrationspolitische Herausforderung als ich, und kann jetzt eine kleine Aufmunterung gut gebrauchen. Ich würde mich umgekehrt dazu bereit erklären, in fünf Jahren für das Bundespräsidentenamt zu kandidieren. Nicht ärgern lassen!

©Mathias Tretter


 




Mathias Tretter: Deutschland. Ein Gummibärchen. Audio CD 2007







Podcast abonnieren







Grass sei Dank

Wie wichtig - um nicht zu sagen: wie notwendig - der dreiundachtzigjährige Literaturnobelpreisträger Günter Grass für (nein: besser) gegen den deutschen ...

Life and Death of a Hollywood Extra

»Rede!« – »Ich werde nichts sagen!« Blitz! Schock! Flackern! Noch höher drehen die russischen Schurken die Stromzufuhr des ...