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Samstag, 04. Februar 2012 | 14:21

Kennzeichen T - 06.09.2010

06.09.2010

Amerika, der Weltstaubsaugervertreter

Die Amerikaner können einem wirklich leid tun. Jetzt hatten sie endlich mal wieder einen historischen Moment: Abzug aus dem Irak - aber keiner wollte jubeln. Obama hat es freilich auch wieder falsch angepackt, der olle Friedensnobelpreisträger. Kein Sinn für Kriegssymbolik!

 

Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

 

Er hätte mit einem erdgasbetriebenen Hubschrauber auf einem Flugzeugträger landen sollen, der über dem gestopften Bohrloch im Golf von Mexiko schwimmt und auf den mit Wachsmalkreiden geschrieben steht: „Mission Abolished“. Aber was macht der Zivilist? Hält eine Rede zur Lage der Nation. Also sowas wie eine Neujahrsansprache. Ein Genre, mit dem man sogar hyperaktive Kinder runterbringt. Und selbst wenn einer zugehört hätte - es gab ja nichts zu verkünden.

 

Was hätte Obama denn sagen sollen? „Wir waren jetzt siebeneinhalb Jahre im Irak - und das Land sieht beschissener aus, als vorher. Aber kein Grund zur Verzweiflung. In Afghanistan sind wir seit neun Jahren, und da ist es viel schlimmer.“ Bei einer Flugzeugträger-Landung, bei der nichts gesagt, nur gelandet wird, da hätte der jeder Durchschnittsamerikaner zugesehen und sich gedacht: „Mission Abolished? Donnerwetter! Das haben wir mal wieder fuckin' great hingekriegt!“

 

Die amerikanische Armee hat ja inzwischen eine rekordverdächtige Serie hingelegt: Seit 1945 kein Sieg mehr. Da kommt nicht mal der 1. FC Köln mit. Militärisch gesehen von der Champions League direkt in die Kreisklasse. Sie sollten demnächst vielleicht Andorra angreifen, damit sie mal wieder ein Erfolgerlebnis haben.

 

Nun heißt es immer, die USA seien “die einzig verbliebene Supermacht“. Da muss die Frage erlaubt sein: Was braucht´s eigentlich noch zur Supermacht? Einen militärisch-industriellen Komplex, der sich von ein paar Bergbauern am Hindukusch in Schach halten lässt?

 

Oder ist es doch eher der Mythos, der noch wirkt? Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, das waren die großen Zeiten: Amerika, der Weltpolizist - wow! Inzwischen eher der Weltstaubsaugervertreter. Abgesehen davon, dass ein Polizist mit Legitimation handelt - seine Aufgabe ist es, für Recht und Ordnung zu sorgen. Die USA dagegen wollen was verkaufen. Die stehen eines Tages vor der Haustür und klingeln. In der Hand ein Staubsauger namens Demokratie. Und dann wagen Sie mal, nicht aufzumachen! Da tritt der Vertreter aber sofort die Tür ein. Sie müssen zu Ihrem Glück gezwungen werden. Da können Sie hundertmal sagen: Das hier ist der Irak, hier wird seit Jahrtausenden nicht gesaugt, sondern mit dem Besen durchgefegt - das ist dem Weltstaubsaugervertreter wurscht. Der zerbricht Ihnen den Besen, setzt sich in Ihr Wohnzimmer und führt Ihnen den Heinzelmann vor. Immer und immer wieder, wenn es sein muss zwanzig Mal am Tag.

 

Das macht er solange, bis der Staubsauger kaputt ist. Dann steht er auf, schüttelt Ihnen die Hand und sagt, „So. Ich hab’ nicht ewig Zeit. Ab jetzt müssen Sie alleine mit Ihrem neuen Staubsauger klar kommen.“ Und wenn er weg ist, fängt in der Familie sofort der Streit an, wer in Zukunft die Wohnung sauber macht - die mit dem zerbrochenen Besen oder die mit dem kaputten Staubsauger, also Sunniten oder Schiiten.

 

Weil die Amerikaner bei den Türgeschäften mit der Demokratie aber auch noch draufzahlen, hat Obama jetzt angekündigt, sie wollen sich künftig mehr auf den Umweltschutz konzentrieren. Demnächst steht er beim Irak mit Solarzellen vor der Tür. Da können die Iraker hundertmal betonen. dass sie nicht mal Steckdosen haben - die Tür wird eingetreten und eine Solarzelle auf den Kandelaber genagelt. Es eilt, denn dem Klima läuft die Zeit davon! Und er muss noch nach Somalia. Draußen wartet sein Chrysler mit laufendem Motor.    


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wunderbar!!!
| von Dajana, 08.09.2010

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