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Freitag, 25. Mai 2012 | 16:03

 

A. Kissler/C. Leimbach: Alles über Patrick Süskinds Das Parfum

28.12.2006

Ein Hoch auf die Postmoderne

Der Medienrummel um die Verfilmung von Patrick Süskinds „Das Parfum“ ist schon wieder vorbei. Was bleibt ist ein gut recherchiertes Buch über die Entstehung des Films, den Megaseller und über den Autor. Es weist weit über den Film hinaus und man feiert dort zusammen mit Werk und Autor gehörig die Postmoderne. Allen Süskind-Fans sei es dringend empfohlen.

 

Es gibt Bücher, die werden gewaltig überschätzt, andere, wie dieses, werden leicht unterschätzt. Warum? Es drängt sich sofort der Verdacht auf, als habe der Heyne Verlag bloß den Augenblick genutzt, eine Art Begleitbuch zum Film zu machen. Ein oberflächliches Machwerk wie es stets durch die Druckerpresse gezogen wird, wenn man die Kaufbereitschaft eines großen Kinopublikums auch an der Buchtheke abschöpfen möchte. Zwar erfährt der Leser einige hübsche Details zur Entstehung des Films, und auch der Erscheinungstermin des Buches ist gewiss kein Zufall, gewiss ist aber auch, dass auf den Film nur in einem sehr beschränkten Umfang eingegangen wird und wir es nur in der Nebensache mit einer Art Begleitbuch zum Film zu tun haben. Was hier vorliegt, ist nichts anderes als ein gut recherchiertes Sekundärwerk zum Roman selber, und vor allem zu Patrick Süskind, über den bislang nur sehr wenig bekannt ist.

Der Duft von Leben und Werk

Vergessen wir also einmal den Film. Vergessen wir nur für einen Augenblick die erdrückende Übermacht der bunten Bilder. Die Dolby-Surround-Akustik, auch die vergessen wir jetzt einmal. Übrig bleibt die Welt des Duftgenies Grenouille, seine Entwicklung zum Mörder, gar am Ende zum Selbstmörder. Arrangiert und in Szene gesetzt von Patrick Süskind, dem scheuen und schrulligen Autor. Und nun arbeitet das Autorenduo Kissler/Leimbach alles vorhandene auf, schnüffelt und recherchieren, und macht aus seiner Süskind-Begeisterung keinen Hehl. Ganz schön vorlaut fokussieren sie das Netz, das sie zwischen Biographie und Werk unablässig spinnen. Und das machen sie sehr pointiert und absolut professionell.

Hier feiert die Postmoderne

Es ist der unterhaltsame Plauderton, der einem sofort ins Ohr geht und den Leser auf eine interessante Reise mitnimmt, eine Duftreise natürlich, aber besser gesagt: auf ein Fest, denn das Autorengenie Süskind wird über weite Strecken unkritisch, ja gelegentlich sogar hymnisch, gefeiert. Darf man das denn in Deutschland, ohne zugleich der Vulgärschreiberei verdächtig zu sein? Ach was, hört man durch die Zeilen, dies Recht nehmen wir uns. Und so laden sie ein zum Flanieren, zum Verweilen und zum Nachschnüffeln Grenouillscher Duftorte. Sie tanzen einen Reigen und inszenieren zuweilen ein großes Fest im Vertrauen darauf, dass das Problematische an Autor und Werk ohnehin aus sich heraus spricht. Und das tut es auch, denn es sind die Fakten, die für ein nahrhaftes Infotainment sorgen. Gut recherchierte An- und Einsichten über Süskind, seine Familie, über den Megaseller und seinen übrigen Werken obendrein, all das erwartet den Leser. Eingebettet und verortet in die Postmoderne, für das der Roman ja par excellence stehen kann. Allen Süskind-Fans sei das Buch dringend empfohlen.

Frank Kaufmann


Alexander Kissler / Carsten S. Leimbach: Alles über Patrick Süskinds Das Parfum
Der Film, das Buch, der Autor
München: Wilhelm Heyne Verlag 2006
304 S., ISBN 3-453-81089-9, ¤ 8,95

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