Thomas Kistner: Fifa-Mafia TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 16:08

 

"Poetenladen" präsentiert

24.05.2007

Unser neuer Partner Poetenladen stellt TITEL in unregelmäßiger Abfolge ausgewählte Beiträge zur Verfügung. Vielen Dank dafür! Diesmal:

„Was braucht ein Text, um gut zu sein?“ - Fragen an junge Verleger

Oder vom Theoretischen in die Praxis gewendet: Was braucht ein Text, damit er gedruckt wird? Ein Streifzug durch die Welt der jungen Verlage. Katrin Marie Merten sprach mit elf Verlegern.

 

„Für mich muss ein guter Text eine Frage stellen, also auch interessiert sein daran, etwas Neues rauszukriegen, daran, wie Wahrnehmung in Sprache überführt werden kann. Ein guter Text darf für mich nicht zu schlau sein in dem Sinne, als dass er am Anfang schon zu wissen glaubt, worauf es am Ende hinausläuft. Der Autor erfährt im Weg des Schreibens und vermittelt den Text als Lernprozess. Ich mag es auch als Leser gerne, etwas nicht gleich zu verstehen und mir in der Lektüre erst das Unverständliche, was mir der Text zumutet, erarbeiten zu müssen, neue Weltzugänge, neue Deutungen und Bedeutungen zu finden. Ich will, dass mich ein Text verändert, dass er auch den Verlag verändert, dass die Dinge in Bewegung bleiben. Verkaufbarkeit ist dabei kein Kriterium. Wenn ein Text mich als Leser überzeugt, dann kann ich vermitteln, was er an mir bewirkt hat und dass es ein guter Text ist.“

Daniela Seel, kookbooks, Berlin und Idstein

„Der Text muss überzeugen und zwar den, der ihn liest und der entscheidet, ob er gedruckt wird. Das ist ein großes Problem für viele Texte, denn sowas ist nicht planbar. Dessen ungeachtet muss der Text eine eigene Stimme haben, der muss Autor wissen, was er erzählen will und warum. Er sollte sich im Klaren darüber sein, wie weit er damit geht und mit welchen handwerklichen Mitteln er sein Ziel erreicht. Edit will Texte, die etwas besonderes sind, die etwas wagen, die begeistern können, die mehr versuchen, als was wir schon kennen.“

Patrick J. Hutsch, Edit, Papier für neue Texte, Leipzig


„Ein guter Text ist die ominöse eierlegende Wollmilchsau. Ich finde, er braucht zwei Sachen: Zum einen muss er den Leser packen, und das macht er am Besten mit einer Story, in der sich der Leser angesprochen fühlt. Banal gesagt ist das die Story, die jeder kennt. Diese muss, zum Zweiten, erzählt werden in einer Sprache, die es so noch nicht gegeben hat – man könnte sagen, sie muss einen eigenen Sound haben. Der Text muss den Leser also packen und befremden zugleich. Als Verleger ist mir zudem wichtig, dass der Text zwar abseits vom Mainstream stattfindet, aber nicht zu experimentell ist. Am Ende ist ein gutes Buch nur ein verkauftes Buch: Literatur findet nicht in Bücherregalen statt, sondern ist ein Prozess, zu dem auch der Leser gehört.“

Jürgen Christian Krill, Verlagsbuchhandlung Liebeskind, München


„Ein guter Text muss den Leser mitnehmen und er muss ihn ernst nehmen. Das kann er auf ernste oder lustige Art machen. Gisela Elsners Sprache zum Beispiel ist so sperrig, dass sie vor den Kopf stößt, dass der Leser kämpfen muss. Wenn man merkt, warum die Autorin das tut, wird es interessant, dann hat der Text etwas mit einem selbst zu tun. Gute Texte können aber auch, wie bei Kolja Mensing, mit weniger Widerstand arbeiten: kurze Geschichten, die aber im Ganzen gesehen, keine leichte Lektüre sind. Der Autor muss etwas zu sagen haben, nicht nur, wie Eva Hermann, die Seiten füllen.“

Werner Labisch, Verbrecher Verlag, Berlin


„Was mich als Verleger fesselt, ist eine Mischung aus subjektivem Gefallen und einem gewissen Sendebewusstsein mit Kalkül. Der Autor muss nicht sprachlich auf seinem stilistischen Zenit angekommen sein. Ein Text kann auch etwas maroder herkommen und trotzdem überzeugen, zum Beispiel durch seinen Zugang zum Thema. Wir haben gerade in den ersten zwei Jahren ausschließlich Debüts verlegt, was für junge Verlage kaum anders geht. Dabei ging es mir darum, dass die Autoren vermittelt haben, stilistisch an sich arbeiten zu wollen.“

Stefan Buchberger, Luftschacht Verlag, Berlin und Wien


„Erstes Kriterium: Ein richtig guter Text lässt eine eigene Stimme erkennen. Es gibt viele Texte, die gut sind, aber nicht das Kriterium der Unverwechselbarkeit erfüllen. Wenn ich in ein Manuskript schaue, entscheidet sich schnell, ob ich weiterlese, und zwar auf der ersten Seite, oft schon nach wenigen Zeilen. Es kommen ja unheimlich viele Texte auf meinen Tisch, da muss es schnell gehen. Da muss es berühren und das Herz treffen, auch wenn das pathetisch klingt. Drittens muss ein Text ins Verlagsprofil passen, so pragmatisch das ist.“

Peter Hinke, Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Leipzig


„Ein guter Text ist zwingend. Er greift einen, so dass man denkt: jajaja, genau so ist es. Obwohl jeder von uns drei Verlegern Literaturwissenschaft studiert hat, ist es eine Bauchentscheidung, welchen Text wir drucken. Dazu kommt, dass wir gerne lange mit unseren Autoren zusammenarbeiten, also länger als für ein Buch. Wir machen nur wenige Titel im Jahr, zwei oder drei, die betreuen wir aber ganz, von Konzept bishin zu Pressearbeit und Lesungsorganisation. Da muss es menschlich stimmen und Spaß machen. Das ist eine persönliche Komponente, die ganz unabhängig von den Texten besteht.“

Daniel Beskos, Mairisch Verlag, Berlin und Hamburg


„Was mich begeistern kann, ist eine lebendige, sinnliche Schreibweise. Ich will das Blaue vom Himmel, Eigenständigkeit in Texten. Ich verlege Autoren, die ein Wagnis eingehen, deren Ziel es ist, die ganze Welt in ein Gedicht zu holen. Im Fokus stehen eher die kleinen Formen, also Gedichte, Prosaminiaturen und Aphorismen. Die bisherigen Bände zeigen, dass das in ganz verschiedene Richtungen gehen kann. Da gibt es keine Patentrezepte.“

Helge Pfannenschmidt, Edition Azur im Glaux Verlag, Dresden


„Was ein Text können muss, kommt darauf an, was der Autor mit ihm erreichen will. Mit einem Text den Buchhandel zu überzeugen, verlangt nach anderen Stärken, als einen Wettbewerb oder Literaturpreis zu gewinnen. Es muss viel an einem Text sein, dass wir sagen: Mit dem setzen wir uns jetzt auseinander und denken über eine Veröffentlichung nach. Auf unserem kleinen Spielfeld wollen wir ein breites Spektrum präsentieren. Das bedeutet, dass die Kriterien sehr verschieden sind, abhängen von Autor, von Stoff – es muss wirklich passen und eine bestimmte Qualität haben, damit wir sagen: Das findet sich gut in unser Programm ein.“

Frank Niederländer, Tisch 7, Köln


„Da sind mehrere Seiten: der Text, der Autor, das Thema – diese Mischung bedingt und verdichtet sich gegenseitig. Von Verlegerseite muss man genau unterscheiden: Nicht jeder Text ist als Buch machbar. Das Gefühl muss plötzlich da sein: Das könnte funktionieren, das könnte den Leser interessieren, das ist machbar. Am Ende ist es immer eine Frage des Geschmacks, da entscheidet der Bauch- Gefühl ist nicht kalkuliert.“

Lars Birken-Bertsch, Blumenbar Verlag, München


„Wir kommen ja aus der Veranstalterecke, machen Bücher mit CDs, daher müssen die Texte sowohl auf dem Papier, als auch auf der Bühne funktionieren. Autoren, die wir aussuchen, kommen aus der Lesebühnenszene, die besonders in Berlin, groß und sehr zersplittert ist. Es gibt kein pauschales Kriterium, welches man immer anwenden kann. Spider und Gomringer sind ja völlig verschiedene Ansätze. Als Verleger muss man dieses Gespür haben: Ist das was oder ist es nicht? Man kann nicht genau begründen, woher das Gefühl im Bauch kommt.“

Leif Greinus, Voland & Quist, Dresden


Aus: poet[mag] 3. Das Magazin des Poetenladens. Andreas Heidtmann (Hrsg.). poetbook, Leipzig Juni 2007. ISBN 978-3-00-021141-6. 9,80 Euro.

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Vorschlag zur Güte

Reiß mir bitte reiß mir doch

in meinen Etat ein Loch

stopf zwei drei deiner Sorgen rein

und bald wird wieder Frühling sein

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Ecce Homo

»Siehe, der Mensch!« - so wird allgemein Ecce Homo übersetzt. Napoleon soll Ähnliches zu Goethe bei ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Raubbau an Körper und Seele

In Stiche erzählt David Small die Geschichte seiner Kindheit und Jugend im wissenschaftshörigen Amerika der ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Is it the end...my friend?

Nach dem Ende des dritten Teiles der Mass-Effect-Trilogie ist es Zeit,, völlig nüchtern Bilanz zu ziehen: RUDOLF INDERST will vollkommen sachlich über ein Spiel-Dreigespann ...

Kind sein, der moderne Vollzeitjob

Nur das Beste für das Kind, wer wünscht sich das nicht? Vorhalten soll das Beste auch, vorzugsweise ein Leben lang. Dafür müssen Grundlagen gelegt, das Kind rundum ...