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Freitag, 25. Mai 2012 | 16:10

 

Polnische Wurzelbehandlung

18.06.2007

Polnische Wurzelbehandlung

Europa ist ja ein ziemlich komplizierter Patient, mit etlichen Wehwehchen, teils hypochondrisch, teils auf jahrelanger Selbstverletzung basierend. Doch jetzt wird´s richtig schmerzhaft! Denn er muss zu den polnischen Zahnärzten Kaczynski. Die wollen ihm in ihrer staatlichen Gemeinschaftspraxis jetzt mal richtig auf den freiliegenden Nerv fühlen – mit Quadratwurzelbohrern!

 

Inzwischen kann man ja wirklich froh sein, dass Jadwiga Jasiewicz im Sommer 1949 keine Drillinge bekommen hat. Obwohl – die sind ja meist etwas schwächlicher und können sich nicht so durchsetzen. Vermutlich wären also Lech und Jaroslaw mit einem dritten Brüderchen – nennen wir´s mal Lukasz – gar nicht so weit, also hoch gekommen und Polen wäre niemals der weltweiten Lächerlichkeit preisgegeben worden. Andererseits das Risiko, jetzt auch noch eine höchste Richterkartoffel in Warschau sitzen zu haben – unausdenkbar!

Aber es ist mal wieder typisch für das entscheidungsimpotente Europa: Da hat Lech Kaczynski offen signalisiert, dass er sich vorstellen könne, freiwillig aus dem Leben zu treten, wenn nicht alles nach seiner Pfeife tanze, schon macht Europa wieder einen betroffenen Rückzieher! Dabei ist das doch nur diese alte „Noch ist Polen nicht verloren!“-Haltung, die da beim Präsidenten durchschimmert. Über Jahrhunderte haben die Europäer auf den Polen und ihrem Staatsgebiet herumgetrampelt – kein Wunder, dass sie jetzt ein wenig mehr Aufmerksamkeit verlangen. Und mit so einer Sterbehupe inmitten des feingestimmten diplomatischen Chors geht das eben recht gut. Das einzige, was mich verwundert hat, war die Reaktion unserer Staatenlenker darauf. Ihnen sei das nachfolgende Gedicht gewidmet:

Europäische Analogik


Der kleine Lech auf großer Tour
von einer Residenz zur nächsten Renitenz.
Mit immersichelndem Lächeln
lässt er sich den Arsch bekriechen (so offen!)
von Sarkozy, Zapatero und Merkel.
Die hoffen insgeheim, es drängten
- kröchen sie nur lange und tief genug -
irgendwann wieder die rechten Worte aus seinem Mund.
Dabei weiß unser Lech nur zu gut:
Ein Einlauf, und sei er rhetorisch,
geht selten nach vorne los.


Christoph Pollmann

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