Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 16:11

 

Die "Litera-Tour" auf dem Bodensee

23.09.2007

Das schwimmende Literaturhaus

Am 15. September 2007 startete die 20. „Litera-Tour“ in Konstanz zur grenzüberschreitenden Lesung auf dem Bodensee. An Bord dieser Jubiläumsveranstaltung waren die Autoren Martin Walser, Evelyn Schlag, Peter Bichsel und Reinhard Schmid.

 

Ein Zeppelin kreist am azurblauen Himmel, der See glitzert silbern und an der Anlegestelle 3 des Konstanzer Hafens drängen Gruppen bibliophiler Damen und Herren auf die Gangway der „MS Graf Zeppelin“. Eingeladen hat der renommierte „Internationale Bodenseeclub“ (IBC), der seit über 50 Jahren erfolgreich als Initiator und Impulsgeber zahlreicher Veranstaltungen, Preise und Publikationen im Bodenseeraum agiert. Geboten wird die alljährliche „Litera-Tour“, eine mehrstündige Lesung von Autoren aller drei Anrainerstaaten auf einem Passagierschiff der Bodenseeschifffahrt.

1987 startete die Veranstaltungsreihe als ein Novum mit experimentellem Charakter, noch war die Welt nicht mit Poetry Slams und Krimi-Dinners überschüttet, noch galt eine Lesung als gesittete Abendveranstaltung. „Wir wissen selbst nicht, was passieren wird“, kündigte der damalige IBC-Präsident gegenüber der Presse an. So arteten die ersten Litera-Touren schon mal in literarische Torturen aus, mit pfeifenden Mikrofonen, flüchtenden Autoren und seekranken Köchen. Die Organisatoren indes trugen es mit Contenance. Strichen die ursprüngliche Mammutveranstaltung von 10 auf 5 bis 6 Stunden zusammen, reduzierten die Zahl der Vortragenden und ließen das Catering derart verbessern, dass in Kritikerkreisen gar von literarischen „Kaffeefahrten“ die Rede war.


Peter Bichsel

Die hochkarätige Liste der beteiligten Autoren der letzten 20 Jahre liest sich wie ein Who’s Who der deutschsprachigen Literatur: Franzobel, Robert Gernhardt, Wladimir Kaminer, Hellmuth Karasek, Bodo Kirchhoff, Monika Maron, Raoul Schrott. Mit Martin Walser, der die diesjährige „Litera-Tour“ als Vortragender auf dem Oberdeck eröffnet, schließt sich ein Kreis; nahm er doch bereits 1987 an der ersten nautischen Pioniertat teil. Als „quicklebendiger Klassiker“ liest er publikumswirksam quer durch seine Tagebücher der 60er und 70er Jahre: Anekdoten, Aphorismen, Gereimtes, Notizen für Romane, Sorgen ums unbezahlte Haus, Reisebeschreibungen aus Russland. Und vergisst nicht, seinem Auftritt einen mahnenden Aufruf voran zu schicken: als „gelinden Herzensfehler“ sieht er es an, dass mehr Karten verkauft wurden als Plätze vorhanden sind.


Martin Walser


So flanieren die überzähligen Passagiere mit einem Gläschen Meersburger Spätburgunder übers Sonnendeck, wohin die Lesungen per Lautsprecher übertragen werden und der Ausblick atemberaubend ist. Inzwischen trägt die österreichische Autorin Evelyn Schlag aus der „Architektur einer Liebe“ vor, ihrem letzten, doch etwas konstruiert und leblos wirkenden Roman um die kosmopolitische Beziehung einer erfolgreichen Pariser Architektin. Die nachfolgende Pause nutzt die „MS Graf Zeppelin“ für eine Wende und gleitet nun gemächlich am Schweizer Ufer entlang - das adäquate Panorama für den Auftritt von Peter Bichsel. Als Großmeister der kleinen Form begeistert er das Publikum mit seinem Kolumnentext über den minimalistischen Kneipengänger Gustav oder mit einer „saublöden“ (O-Ton Bichsel), im Auftrag des Süddeutschen Rundfunks verfassten Geschichte, in der die Worte „Grappa“ und „Tessin“ vorkommen mussten.

Längst liegt man nicht mehr im vorgegebenen Zeitplan, ist jedoch in bester Stimmung! So steckt der letzte Autor, der Überlinger Reinhard Schmid, noch mitten in der Lesung aus seinem „Freischwimmer“ (einem Roman über einen Kulturamtsleiter in der Midlife Crisis), als die „MS Graf Zeppelin“ bereits in Meersburg anlegt und die ersten Gäste überstürzt von Bord gehen. „Schlechte Zeitplanung“, entfährt es dem überrumpelten Autor, zwischen Ansagen der Organisatoren, doch bitte die noch offenen Rechnungen beim Catering zu begleichen.

Über diese letzte kleine Panne muss hinweg gesehen werden – schließlich war die diesjährige „Litera-Tour“ eine überaus gelungene, rundum genussvolle, spätsommerlich entspannte Lesereise, von der mancher Gast nicht nur mit eindrücklichen literarischen Erinnerungen, sondern auch mit einem Sonnenbrand zurück gekehrt ist.

Ingeborg Jaiser

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Vorschlag zur Güte

Reiß mir bitte reiß mir doch

in meinen Etat ein Loch

stopf zwei drei deiner Sorgen rein

und bald wird wieder Frühling sein

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Ecce Homo

»Siehe, der Mensch!« - so wird allgemein Ecce Homo übersetzt. Napoleon soll Ähnliches zu Goethe bei ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Raubbau an Körper und Seele

In Stiche erzählt David Small die Geschichte seiner Kindheit und Jugend im wissenschaftshörigen Amerika der ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Is it the end...my friend?

Nach dem Ende des dritten Teiles der Mass-Effect-Trilogie ist es Zeit,, völlig nüchtern Bilanz zu ziehen: RUDOLF INDERST will vollkommen sachlich über ein Spiel-Dreigespann ...

Kind sein, der moderne Vollzeitjob

Nur das Beste für das Kind, wer wünscht sich das nicht? Vorhalten soll das Beste auch, vorzugsweise ein Leben lang. Dafür müssen Grundlagen gelegt, das Kind rundum ...