Das Foto ist dunkel. Die Farben sind grau bis schwarz und dunkelgrün. Im Vordergrund lehnt sich ein junger Soldat mit seinem Rücken an eine Felswand. Halb steht er, halb sitzt er. Während die eine Hand sein rechtes Auge bedeckt, hält die andere den Helm fest. Sein Gesicht zeigt grenzenlose Erschöpfung. Der Mund ist halb geöffnet, aber weder spricht noch schreit er. Sein Anzug und sein Aussehen deuten daraufhin, dass er zu den westlichen Streitkräften gehört. Eine nie geahnte Katastrophe scheint diesem, dem Betrachter unbekannten Menschen widerfahren zu sein. Seine Haltung ist nicht kämpferisch, aggressiv oder verteidigend. Er sieht wie ein Opfer eigener oder fremder Gewalten aus. Die aus seinem Gesicht sprechende Erschöpfung ist keine befriedigende nach getaner Arbeit. Es ist ein lähmender Schockzustand.
Es ist das Bild eines US-Soldaten, aufgenommen vom englischen Fotografen Tim Hetherington am 16. September 2007 im Restrepo-Bunker im Korengal Tal, Afghanistan. Einer Gegend, die zum Austragungsort heftiger Gefechte wurde. Man fragt sich, was hat diesen Menschen dorthin verschlagen, was waren seine Beweggründe für den Eintritt in das Militär und was hat er so Unaussprechliches fernab seiner Heimat erlebt? Als Betrachter eines Fotos, kann man nur interpretieren, vielleicht dabei richtig oder falsch liegen. Was man jedoch sieht, das hat etwas endgültig Verlorenes an sich.
Am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind die Vereinigten Staaten von Amerika die einzige Supermacht auf der Erde, politisch und militärisch. Die Aufgabe jeder Nation ist es, um den Frieden zu ringen und den Schwächeren zur Seite zu stehen. Falls aber das von Tim Hetherington aufgenommene Foto exemplarisch für den Zustand einer aus Bürgern bestehenden Nation ist, dann ist das Land im Krieg an seine Grenzen gelangt. Aus welchen Gründen auch immer gekämpft wird, das Foto ist ein Kommentar zur Unbegreiflichkeit des Krieges. Die Zerstörungen gehen tief in die Seele. Wie wird es dem jungen Mann nach seiner Heimkehr ergehen und wie reagiert seine Umgebung auf ihn und seine Erlebnisse?
2008 erhielt Tim Hetherington für sein Foto den World Press Photo Award des Jahres 2007. "This image shows the exhaustion of a man - and the exhaustion of a nation", urteilt Gary Knight, Vorsitzender der World Press Photo Jury.