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Freitag, 25. Mai 2012 | 16:17

Von der Leipziger Buchmesse

16.03.2009

Ein Buchmesselogbuch - Teil 3: Rückschau

Nun sind sie vorbei, die Tage der Leipziger Buchmesse 2009 und des an sie angeschlossenen gigantischen Lesefestivals Leipzig liest. Die Besucherzahlen übertrafen auch in diesem Jahr die des Vorjahrs. Alle sind noch viel zufriedener als sonst. Neben dem immerwährenden Aufschwung der Leipziger Messe hat man in diesem Jahr weitere Trends erkennen können. Notizen von HEIKO ZIMMERMANN.

 

Trend 1: Die neue Sparsamkeit

Schon vor der Buchmesse wusste ich, dass gespart werden würde — und zwar eingespart. Mein regelmäßiger Messeschlafgast eröffnete mir, dass sie in diesem Jahr nicht kommen würde. Grund sei, dass das Nachrichtenmagazin, an dessen Stand sie sonst die Messegäste und Autoren betreute, diesmal der Büchershow fernbleiben würde. Aber nicht nur der Spiegel war dieses Jahr nicht auf der Messe vertreten, auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung fehlte. Als ich am Sonntag dann Mangakinder mit der F.A.S. unter dem Arm durch die Hallen laufen sah, konnte ich es nicht glauben. Hatte die F.A.Z. in letzter Sekunde doch noch einen Stand eröffnet? Ein improvisiertes Informationsangebot mit einem Imbisstisch unter einem Sonnenschirm — so wie der ADAC in Einkaufszentren auf dem Land oder Die Linke auf den Straßen in München? Das wäre ja wohl im Ausstellerverzeichnis vermerkt.
Als ich gerade am Auskunftsterminal die Wörter „Frankfurter Allgemeine“ in die Maske der Ausstellersuche getippt hatte, näherte sich ein junger Mann von hinten. Er hatte eine Pressemarke umhängen, eine teuer aussehe Ledertasche in der Hand und meinte „Könnt ihr vergessen. Wir sind dieses Jahr nicht da. Wir müssen sparen.“ Wo denn die Mangekinder dann ihre F.A.S. herhätten, wollte ich wissen, doch der junge Mann brabbelte nur „Müssen sparen, sparen, sparen. Wir müssen sparen.“ Die Mangakinder selbst waren auskunftsbereiter, und so war das Geheimnis bald gelüftet: In Zeitungsaufstellern vor der Messebuchhandlung wurde die F.A.S. zum Mitnehmen angeboten. Vielleicht gab es ja auch noch einen Grabbelkiste mit dem Spiegel? Wahrscheinlich muss man die neue Sparsamkeit einiger Verlage loben. Warum sich allerdings kleine Verlage mit Autor, Verleger und Messehostess in Personalunion einen Stand leisten können und die F.A.Z. nicht, ist schwer zu verstehen.

Trend 2: Der eBook-Reader

Auf der Messe gab es diesen großen Stand, an dem ausschließlich der neue Sony-Reader PRS-505 vorgestellt wurde. Mit einem guten viertel Kilogramm Gewicht kann man auf dem Gerät theoretisch bis zu 13000 eBooks speichern. Das reicht für 83 Jahre Lektürespaß, wenn man in der Woche drei Bücher liest. Allerdings hat das „Buch der Bücher“ auch seine Haken, wie man am Stand unschwer herausfinden konnte, wenn man die Diskussionen verfolgte. Neben der Technikbegeisterung vieler Messebesucher ohne Namenskärtchen gab es viel Kritik von den Besuchern mit Kärtchen, also beispielsweise von Buchhändlern, die fragten, warum sie eBooks in ihrem Laden verkaufen sollten. Andere fragten, wie sie ihre mittels Digital Rights Management geschützten Bücher an Freunde verleihen könnten — denn das Schöne an Belletristik sei doch das Verleihen und die anschließende gemeinsame Diskussion über die Lektüre. Wieder andere bemängelten die Unfähigkeit des Geräts, auf vernünftige Weise Anmerkungen zu dem Text machen zu können. Auch Geräte anderer Hersteller, die von einem eBook-Reader-Vertrieb vorgeführt wurden, boten keine Möglichkeit, Randnotizen zu hinterlassen, da eBooks einfach keinen Rand haben. Auch die Lebenserwartung und die Empfindlichkeit der Geräte waren Kritikpunkte. Wie häufig muss man einen Roman fallen lassen, damit er unbenutzbar wird? Wie häufig einen eBook-Reader? Wie häufig fällt er nach unten, bis man seine 13000 Bände durchgelesen hat? Auf jeden Fall wird das eBook zur nächsten Messe wohl einen größeren Raum einnehmen.

Trend 3: Digitale Mündlichkeit

Die sogenannte „Textbox“, eine schalldichte Kabine, in der Poeten ungestört ihre Gedichte vortragen, während das Publikums mittels Kopfhörern lauscht, war nur ein Beispiel einer neuen Tendenz zur Mündlichkeit auf der Messe. Auch die Hörbuchabteilung hat sich inzwischen fest etabliert und damit den Status einer Novität verloren. Ganz selbstverständlich haben sich dort zur Messe Buchhörer über Neuerscheinung informiert. Natürlich gibt es auch noch die gedruckten Bücher mit CD. Bisher ist da der kleine Leipziger Verlag Voland & Quist führend. Viele Größen aus der Slam-Poetry- und Spoken-Word-Szene veröffentlichen dort ihre Texte — gedruckt mit beigefügter Audio-CD.
Sogar für Kinder werden inzwischen Produkte angeboten, mit denen sie kreativ mit gesprochener Literatur umgehen können. Auf einer auf der Buchmesse verteilten CD fand sich das Hörspiel „ClauS, der Drache“ (EOR Mediastudio), das aus verschiedenen Bausteinen besteht, die vom Nutzer kreativ zusammengesetzt werden sollen, wobei sich unterschiedliche Erzählsituationen einer Geschichte ergeben. In gedruckter Literatur, digitaler Literatur und interaktiver Literatur gibt es so etwas schon lange. Als Kinder-Hörbuch ist es sicher neu.

Trend 4: Ambivalenz

Eine Sache war an der Buchmesse ganz besonders auffällig: die Ambivalenz aller Dinge. Einerseits waren beispielsweise 200 Aussteller weniger als im Vorjahr vertreten. Andererseits kamen trotzdem 18.000 Besucher mehr (insgesamt 147.000). Aber auch politische und weltanschauliche Spannungszustände waren auf der Messe an der Tagesordnung. Da gab es zum Beispiel den Stand der Edition Antaios, die wohl der sogenannten Neuen Rechten zugeordnet werden muss. Der Stand dieses Verlages war nur einige Schritte von dem der taz entfernt. Niemanden schien das tatsächlich zu stören.
Dass der Scientology-Verein in unmittelbarer Nachbarschaft der Stände der deutschen Kirchen und anderer religiöser Vereinigungen sein „E-Meter“ aufstellte, schien diesen ebenso wenig aufzustoßen wie der ARD, deren blaues Hörbuchforum sicher einen guten Hintergrund für die Schau der „Psychogruppe“ abgab. Ein letztes Zeichen der Ambivalenz sind sicher die Tausenden Leute, die sich teuren Kaffee aus umgebauten Autos (Warum stellt man eine Kaffeemaschine in den Kofferraum eines Sportwagens? Warum auf die Ladefläche einer Ape?), Crêpes mit Nutella und allerhand selbst gebackenen Kuchen verkaufen ließen, wo es doch eigentlich mit der Wirtschaft so wahnsinnig schnell bergab geht. Vielleicht ergibt die Analogie ein gutes Schlusswort:

Da lässt sich doch nur hoffen, dass die Verleger, getragen vom Impuls der Messe, auch in den Zeiten der Krise ihren Umsatz machen, dass sich viele sehr unterschiedliche Bücher verkaufen und alle sehr zuversichtlich nächstes Jahr wieder zur großen Leipziger Bücher-Show anreisen werden.


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06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

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