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Petits riens (16)

04.05.2009

Provincial News

WOLFRAM SCHÜTTE über Kritiker, die lieber reden als lesen, deutsche Sprichwörter, nachgesendete Briefe und Adornos Lieblingsredewendung „Unter Dach und Fach gebracht“.

 

Sprichwort. - Verschiedenen Pressemeldungen entnehme ich, das sowohl Marcel Reich-Ranicki als auch Elke Heidenreich bei “Beckmann” von diesem nacheinander ins Gebet genommen worden waren und danach der 88-jährige sich gerne mit der 66-jährigen wieder “versöhnen” möchte, nachdem sie ihm bei seiner pauschalen TV-Schelte zur Seite gesprungen war, er aber, als sie schon vom ZDF fallen gelassen worden war, noch nachgetreten hatte, so dass sie nun auf ewig “unversöhnlich” bleiben. Könnte es sein, dass ausgerechnet in den Höhen & Niederungen des TV-Literaturbetriebs das deutsche Sprichwort nicht gilt: “Pack schlägt sich, Pack verträgt sich”?

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Hoch gestapelt
. - Kürzlich war ich im Publikum, als vier Kritiker über fünf Bücher auf einer öffentlichen Veranstaltung sprachen. Sie taten es alle sehr eloquent, wenngleich eigentlich nur jeder seinen Favoriten gegen zudringliche Kritik, sofern vorhanden, am intensivsten verteidigte. Seltsamerweise hatten sie alle jeweils ihre vier besprochenen Bücher dabei und stapelten sie hoch neben sich - obwohl ja keiner daraus zitieren wollte, um seine Argumente zu begründen. Dabei fiel bei jedem Bücherpaket auf, welches der vier Bücher tatsächlich ganz gelesen worden war - weil ja die Lektüre, wenn sie von A bis Z reichte, äußerlich für den Kenner sichtbar ist: durch das lesende Auf- & Umblättern und das in der Hand-Halten verzieht sich das Exemplar ins Schiefe. Mehr als zwei Bücher bei jedem waren von dieser Gebrauchsspur nicht betroffen. Was aber der individuellen und kollektiven Eloquenz keinen Abbruch tat. “Fachleute”, als die Literaturkritiker ja firmieren, sind auch nur Menschen; oder: das amüsante & unterhaltsame Gespräch über Bücher bedarf der intensiven Lektüre nicht, wenn es versierte Plauderer sind. Vor allem für ein Publikum, das wohl auch nicht alle der “besprochenen” Bücher gelesen hatte, vielleicht sogar keines. Ihm genügte das Vergnügen des Zuhörens.

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Provincial News
. - Aus der “Wertheimer Zeitung” zu Ostern:” Die Veranstalter des Osterferienprogramms teilen mit, dass einige Kurse mangels Teilnehmer nicht stattfinden. Betroffen sind Fit an Fun for Kids, Capoeira, Dein Tag - Dein Shooting, Mr. & Mrs. Styloo-Wahl, Hip Hop Beat & Rap (...) An den Kurstagen können sich Jugendliche an der Infotheke im Sound-Café vor Kursbeginn noch spontan anmelden“.
You´ve got it, Honey?

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Nachsenden
. - Wie oft zuvor & kürzlich wieder im Briefwechsel Adorno/Kracauer die in Italien, Frankreich und der Schweiz urlaubenden Schriftsteller ihre Briefe damit beginnen, dass ihnen der Brief des Partners von einem Hotel zum anderen “nachgeschickt” worden sei! Es war üblich, ein “Service” der Hotels und auch der Post. Nie habe ich das Klagelied über einen dadurch verlorenen oder nicht weiter geschickten Brief gelesen. Auch als lügnerische Ausrede wurde der angebliche Verlust nicht benutzt. Es ging wohl damals nichts verloren - als “die Post” noch die hoheitliche & primäre Kommunikationsform des Schriftlichen war.

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Unter Dach und Fach gebracht
. - Keine Redewendung taucht häufiger in Adornos Briefen - vor allem in denen an “Friedel” Kracauer - auf, als die Formel, er habe nun wieder dies & das Projekt “unter Dach und Fach gebracht“. In Röhrichs Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten wird das Sprachbild so übersetzt: “Etwas in Sicherheit bringen, wobei urspr. an die Erntebergung gedacht war”. Dieser historische Hintergrund, der auf seine bäuerliche Herkunft verweist, wird Adorno nicht geläufig gewesen sein; aber der Impuls, ein der Zeit und dem Druck der Verpflichtungen sowohl durch Geistesarbeit Abgerungenes & als auch in die Sicherheit eines abgeschlossenes Werks Gerettetes meinte er ebenso wie das Glück, im Laufe des Jahres dessen Ernte erfolgreich eingefahren und vor Wind & Wetter geschützt zu haben. Es muss ihm eine tiefe Befriedigung gegeben haben, mit mehr Stolz als mit Eitelkeit, genau diese seit der Kindheit ihm vertraute Redewendung für seine wahrlich ungeheure Produktion an Aufsätzen und Büchern während der Fünfziger- & Sechziger Jahre stereotypisch zu verwenden, gelegentlich mit dem Beisatz, “man sei ja nicht faul”.

Seinen 14 Jahre älteren Freund Siegfried Kracauer, der sich im fortgeschrittenen Alter schwerer tat, etwas “unter Dach und Fach zu bringen”, hat er damit ebenso kontinuierlich wie buchstäblich überschwemmt - und wohl auch eingeschüchtert, wenn nicht sogar gedemütigt. Denn “Teddie” wünschte natürlich von seinem ehemaligen Mentor, dem “lieben Friedel”, nicht nur Empfangsbestätigungen, sondern auch den Nachweis der Lektüre seiner jeweils handschriftlich zugeeigneten Exemplare. Noch in einem seiner letzten Briefe bittet Kracauer, der “natürlich alles lesen werde”, den “lieben Teddie” um “sehr, sehr viel Geduld” - jedoch der Tod hatte sie nicht mehr mit ihm.

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

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in meinen Etat ein Loch

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