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Freitag, 25. Mai 2012 | 16:19

 

Alan Posener contra Henryk M. Broder

20.07.2009

Eine Portion Frechheit

Die Zahl derer, die – anders als die 68er aus linken sozialdemokratischen oder kommunistischen Familien – zu den diversen K-Gruppen der siebziger Jahre strömten und heute weit rechts angekommen sind, ist zu groß, als dass man an einer Gesetzmäßigkeit zweifeln möchte. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Anlässlich der Diskussion um eine Umbenennung der Berliner Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße schrieb Alan Posener im Januar 2005: „Dutschke hielt nichts von Kapitalismus und Konsum, Liberalismus und Parlamentarismus. Für ihn waren die USA und die Sowjets gleichermaßen imperialistische Besatzer. Es ist kein Zufall, dass sein Weggefährte Horst Mahler bei der NPD gelandet ist.“ Knapp dreißig Jahre davor war derselbe Alan Posener Genosse von Horst Mahler in der KPD/AO. Horst Mahler ist zu einem Wortführer der NPD geworden. Alan Posener hat es nur zum Kommentarchef der Welt geschafft und weint nun öffentlich, weil ihn die „Achse des Guten“ verstoßen hat, von der er nostalgisch erklärt: "Die gemeinsamen Nenner sind klar: pro-israelisch, pro-amerikanisch, gegen den Islamofaschismus und gegen eine Politik, die darin besteht, Wohltaten zu verteilen, statt Menschen in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen."

Es gehört schon eine Portion Frechheit dazu, dem toten Dutschke, der sich nicht wehren kann, eine Entwicklung zu unterstellen, die man selbst vollzogen hat. Man muss kein Freund der „Achse des Guten“ sein, um deren Entscheidung Verständnis entgegenzubringen. Ich habe mich oft mit Henryk M. Broder öffentlich gebalgt. Aber ich gestehe: gemessen am Eiertanz eines Posener ist mir seine konsequente Aggressivität sympathisch. Da weiß ich wenigstens, woran ich bin. Und klüger als Posener ist Broder allemal. Selbst wenn man in der Sache, um die es im Konflikt zwischen den Herren mit dem gemeinsamen Nenner ging, eher Poseners Ansicht zuneigt als der Position der Achsenmacht: dass man mit solch einem windigen Gesellen nichts zu tun haben will, lässt sich nachvollziehen. Auch wenn der eine oder andere Gegner Poseners dessen biographische Entwicklung aus eigener Erfahrung kennen muss.

Die Zahl derer, die – anders als die 68er aus linken sozialdemokratischen oder kommunistischen Familien – zu den diversen K-Gruppen der siebziger Jahre strömten und heute weit rechts angekommen sind, ist zu groß, als dass man an einer Gesetzmäßigkeit zweifeln möchte. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Muss das jene kratzen, die weder einst in den sektiererischen K-Gruppen, noch heute im rechten Spektrum ihre Heimat fanden? Sollen sich just jene, die mit der „Achse des Guten“ nichts im Sinn haben, für die Belange eines Gekränkten einsetzen, der wieder in den Verein hinein möchte? Es gibt fürwahr wichtigere Dinge zu erledigen.

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