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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 08:11

Yps.de mit Gimmick

11.01.2010

Als wir Detektive waren

Das „Yps“-Heft kehrt zurück. Ein bisschen wenigstens. JAN  FISCHER über das Comeback eines Kultheftes im Internet und auf dem iPhone.

 

Ich fand Yps-Hefte immer so dermaßen 90er, dass – im Laufe der Recherche für diesen Text – die große Überraschung war, dass es sie seit 1975 gab, ihre große Zeit Ende der 70er, Anfang der 80er hatten, und von da aus ging es stetig bergab, bis sie 1999 eingestellt wurden. Die Geschichte der Yps-Hefte ist eine Geschichte, die man persönlich erzählen muss, man kommt nicht drumrum, aber das schöne – und bemerkenswerte – an Yps ist, dass das Heft mit seinen Gimmicks eine kollektive Erfahrung ist, irgendwo in der Schublade von Wetten dass..? oder vom Disney Club

 

Yps ist für mich mit den 90ern verknüpft, weil ich es da entdeckte. Ich bin 1983 geboren, und als ich, es müsste 1992 oder so gewesen sein, meine erstes Yps-Heft in den Händen hielt, war ich genau in der immer angepeilten Zielgruppe präpubertierender Jungs kurz vor der Bravo. In dieser Zeit war ich meistens ein Detektiv, einmal untersuchte ich zusammen mit meinem besten Freund den Fall eines an unsere Schulwand gesprühten Hakenkreuzes mit Hilfe der Yps-Detektiv-Lupe, und ich bin sicher, die Sprayer hätten vor Angst gezittert, wären wir ihnen auf die Spur gekommen und hätten wir ihnen unsere Yps-Detektivausweise gezeigt. Nun ja, wer sagt, dass die Kindheit ungefährlich ist. Wir waren nun einmal unerschrockene Detektive.

 

So eine Geschichte hat jeder zu erzählen, der Yps kennt: Die Macht dieser kollektiven Erfahrung, die ja theoretisch lange genug dauerte, dass die Eltern sie an die Kinder weitergeben konnten, ist noch nicht einmal konstruiert: Die Berichterstattung über die aktuelle Neuauflage der Urzeitkrebse und zweier weiterer klassischer Gimmicks als Iphone-App zeigt das ganz wunderbar. Kaum ein Blog, kaum eine Zeitung, die ohne eine solche Geschichte auskommt. Auch deshalb muss die Geschichte von Yps persönlich erzählt werden: Weil jeder seine kleine Geschichte hat.

 

2006 gab es schon einmal einen Versuch, Yps wiederzubeleben. Nicht mehr als wöchentliches, sondern 14tägiges Heft, mit einer groß angelegten Medienkampagne, in der wiederum Prominente wie Mario Barth ihre Yps-Geschichten erzählten. Der Ehapa-Verlag versuchte dem ganzen einen neuen Dreh zu geben: Wohl wissend, dass die Generation der 00er Jahre – zumindest aus Yps-Sicht – eine verlorene Generation war, entschied man sich für eine Nostalgie-Kampagne, und wählte als erstes Gimmick der Neuauflage ein ironisches: Die Gelddruckmaschine. Das ganze scheiterte natürlich furios innerhalb von drei Ausgaben.

 

Generation am Bruchpunkt der Medien

Die nächste Neuauflage nun könnte funktionieren: Auf der Yps-Website gibt es ein paar Comics zum nostalgischen Herumklicken, es gibt ein Spiel, drei iPhone-Apps werden in den nächsten Wochen sukzessive veröffentlicht. Das Medienecho ist nicht enorm, aber doch beachtlich – es ist sogar in die Printpresse vorgedrungen – wenn man bedenkt, dass die iPhone-App zu den Urzeitkrebsen beispielsweise eigentlich nur ein Nostalgie-Tamagotchi ist, nicht schlecht, aber nichts Großartiges oder Besonderes: Eine Anwendung unter Tausenden. Es geht auch hier nur um die Geschichte, einmal die Yps-Geschichte: Die Urzeitkrebse waren 1975 das erste Gimmick, und sie waren auch das beliebteste, man sollte vielleicht sagen: Das legendärste. Es geht auch wieder um die persönliche Geschichte: Die Kommentarfunktion der Blogs, über die die iPhone-App berichten sind dick gefüllt mit Geschichten, die Facebook und Twitter-Seiten von Yps ebenso, der Comic-Zeichner Flix, auch so ein Spezialist fürs Aufspüren kollektiver Erfahrungen, hat seine eigene Urzeitkrebse-Geschichte dem Blog der Yps-Website zur Verfügung gestellt.

 

Dass die Dichte der Worte aus dem Internetbereich im letzten Absatz zunimmt ist kein Zufall. In den letzten Monaten setzte der Ehapa-Verlag verstärkt auf Internet-Kommunikation, ein neues, verbessertes yps.de ging an den Start. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Durch die Blogwelt  zieht das Urzeitkrebsegeschichtenbeben, die Zahl der Twitter- und Facebook-Follower wächst täglich. Der Erfolg hat seinen Grund, und diese verstärkte Netz-Aktivität rund um Yps ist eine kluge Wendung von Ehapa: Die Yps-Generation ist eine Generation am Bruchpunkt der Medien: Es ist die erste Generation, die mit dem Computer aufgewachsen ist, eine Mischung aus netizens, und – eine Generation zuvor - den Ureinwohnern des Netzes. Man bringt diese Leute vielleicht nicht dazu, sich aus Nostalgiegründen ein Heft zu kaufen, das schon längst tot ist. Aber man bringt sie sich für die Geschichten ihrer Kindheit zu begeistern. Nichts einfacher als das.

 

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