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Freitag, 25. Mai 2012 | 14:36

Nachtrag zu den Wahlen in Peru

23.04.2011

Pest und Cholera

Bei der Präsidentschaftswahl in Peru haben sich die beiden durchgesetzt, die es nicht hätten werden sollen: der »Linksnationalist« Ollanta Humala (31,7 Prozent) und Keiko »die Tochter« Fujimori (23,5 Prozent). Ein Kommentar von JOSEF BORDAT

 

Manchmal sollte man auf seine Nobelpreisträger hören. Maria Vargas Llosa, peruanischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger 2010, hatte im Vorfeld der Wahlen vom 10. April gefordert, dass einer der drei gemäßigten Kandidaten (Alejandro Toledo, Pedro Pablo Kuczynski und Luis Castañeda) ausscheidet, um einem der beiden verbliebenen aus dieser Troika der Mitte den Gang in die Stichwahlrunde zu ermöglichen, um dort den erwarteten Gegner Humala am Einzug in den Präsidentenpalast zu hindern – wie dies schon 2006 Alan Garcia gelang. Nun sei die Stichwahl eine zwischen »Krebs und Aids im Endstadium«, wie Vargas Llosa der größten peruanischen Zeitung El Comercio mitteilte.

 

Etwas traditioneller ausgedrückt: Jetzt hat Peru die Wahl zwischen Pest und Cholera. Eine politisch unerfahrene junge Dame, die vom Ruf ihres Vaters lebt, der das Land zwischen 1990 und 2000 mit starker, nicht immer demokratisch legitimierter Hand führte, und ein junger, ebenso unerfahrener Mann, dessen Programm vor Versprechungen strotzt und jedem Wirtschaftsfachmann das fiskalpolitische Fragezeichen ins Gesicht schreibt: Wer soll das bezahlen? Humalas Antwort: Die da oben. Das sind die Konzerne, die USA und die Juden. In beliebiger Reihenfolge. So was kommt an. Offensichtlich.

 

Auf des Messers Schneide

Freilich nicht bei allen (in den von der neuen Mittelschicht bewohnten Vierteln der Hauptstadt Lima sind Humalas Nationalisten eine Splittergruppe), aber bei denen, die sich nicht »da oben« wähnen, sondern ganz unten. Die von Wohnung und Bildung, Aufstieg und Wohlstand träumen und dann den billigen Slogans anheimfallen, die frech versprechen, all das gäbe es kostenlos, sowie Humala Präsident sei. Wer zahlt's? Siehe oben.

 

Keiko scheint dagegen fast das geringere Übel. Sie wird dafür sorgen, dass ihr Vater, ein politischer Schwerstverbrecher, frei kommt. Das ist bitter. Für die Opfer, für die Hinterbliebenen, für jeden Menschen, der ein Minimum an Gerechtigkeitsempfinden hat. Aber was ist das gegen ein Land, das im Chaos versinkt, weil die Investoren sich zurückziehen, die Staatseinnahmen sinken, die »Alles für alle und zwar sofort«-Politik auf Pump passiert, die Staatsverschuldung steigt, die erstaunlich stabile Landeswährung weich wird, die Inflation anzieht, die Löhne nicht mithalten und am Ende wieder mehr Armut herrscht als in den letzten zehn Jahren?

 

Peru steht auf des Messers Schneide. In welche Richtung das Land hinab fällt, entscheidet sich am 5. Juni 2011.

 

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