Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 14:41

 

Section N. Design-Archiv

08.12.2005

Rothschild's CD-Tipp:

Lob des Designs


Dass es Design gibt, das die Moden transzendiert, nicht anders als eine Kantate Bachs, eine Oper Mozarts, eine Sonate Schuberts oder auch die Tragödien der griechischen Antike, ist heute kein Geheimnis mehr. Section N ist ein Beispiel dafür.

 

Den eloquenten Advokaten der Mode, die das propagandistische Geschäft des raschen Umsatzes und der Vernichtung von Brauchbarem betreiben, muss die Frage gestellt werden: Wie kommt es wohl, dass es Möbel und Einrichtungsgegenstände gibt, die heute, bald ein Jahrhundert nach ihrer Entwicklung, noch eben so zeitgenössisch wirken wie am ersten Tag? Wie kommt es, dass sie partout nicht "veralten", dass man ihrer nicht müde wird, dass sie so manchen Schnickschnack überlebt haben, für den irregeführte Konsumenten mit geringem Selbstbewusstsein Vermögen ausgegeben haben?

Dass es Design gibt, das die Moden transzendiert, nicht anders als eine Kantate Bachs, eine Oper Mozarts, eine Sonate Schuberts oder auch die Tragödien der griechischen Antike, ist heute kein Geheimnis mehr. In allen Großstädten existieren Läden, die sich auf Produkte spezialisiert haben, die man längst auch in Museen der modernen Kunst antrifft. In Wien waren es Katarina und Peter Noever, die 1971 in der Innenstadt die Section N gründeten, ein von Hans Hollein entworfenes kleines Einrichtungshaus. Sie haben damit Pionierarbeit geleistet. Sechzehn Jahre später, als die Philosophie der Section N kein Geheimwissen mehr war und man einen Stuhl von Marcel Breuer oder einen Hocker von Alvar Aalto nicht mehr wie eine Entdeckung vorstellen musste, wurde das Projekt beendet. Jetzt hat Katarina Noever eine CD-ROM produziert, die dokumentiert, was mittlerweile historisch und doch nach wie vor aktuell erscheint. Sie lädt zum Spielen ein.

Man findet auf ihr die Gegenstände, die von der Section N verkauft wurden: Stühle - darunter der begehrte, ursprünglich 1880 entworfene "Ottakringer", der sich in eine kleine Leiter umwandeln lässt - und weiche Sessel, Tische, Schränke, Büromöbel, Betten, Kleinmöbel, Lampen, Haushaltsartikel und manches mehr. Sie rekapituliert die Ausstellungen, die zwischen 1971 und 1985 ausgerichtet wurden. Sie schmeichelt mit Fotos der Eitelkeit prominenter Entwerfer und Autoren und fast ebenso prominenter Kunden. Und sie dokumentiert die Reaktionen von Presse und TV auf das Unternehmen, das seinen festen Platz einnimmt zwischen Kommerz und Kunst. Nicht zufällig ist Peter Noever der Direktor des durch seine Aktivitäten renommierten Museums für angewandte Kunst (MAK) in Wien.

Thomas Rothschild


Section N. Design-Archiv. Wien 1971-1987.
Vertrieb:Buchhandlung Walther König

 

TITEL-Kulturmagazin bietet regelmäßig Neuigkeiten aus Literatur, Musik und Film. Unabhängig und kompetent - seit über 10 Jahren!

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Hausberg-Musik

Spätestens seit Ende letzten Jahres La Brass Banda nach über 500 Konzerten weltweit die Münchner Olympiahalle füllten, dürfte ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...