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Freitag, 25. Mai 2012 | 14:42

 

Das KLG auf CD-ROM

20.09.2007

Rothschild's CD-Tipp:

Eine Literaturscheibe

Ein Kompromiss zwischen der Homogenität eines eigens erstellten Nachschlagewerks und der Schnelligkeit elektronischer Medien...

 

Die geniale Idee von Heinz Ludwig Arnold wurde durch eine vertraute Erfahrung provoziert: Nachschlagewerke über lebende Personen veralten schnell. Was noch in Bewegung ist, entzieht sich der enzyklopädischen Bestandsaufnahme. Andererseits gab und gibt es einen Bedarf, über zeitgenössische Autoren und ihre Werke Informationen zu erhalten. Also organisierte Arnold sein Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, kurz KLG, und in der Folge weitere Lexika ähnlichen Zuschnitts als Lose-Blatt-Sammlung. Die laufend ergänzten und erneuerten Artikel kann man so in kleinen Heftordnern ablegen, ohne das bewährte alphabetische System über Bord werfen zu müssen.

Das KLG ist freilich ein Kind des internetlosen Zeitalters. Das weltweite Netz hat die Informationsermittlung grundsätzlich und radikal verändert. Keine Erscheinungsform des Buchs wurde davon so sehr getroffen wie eben Lexika. Und doch sind sie nicht verschwunden, jedenfalls nicht für eine Generation, die noch mit dem Buch aufgewachsen ist und auf das Vergnügen des Blätterns, die Sinnlichkeit von Papier nicht verzichten möchte. Einen Kompromiss zwischen der Homogenität eines eigens erstellten Nachschlagewerks und der Schnelligkeit elektronischer Medien bietet eine schon vor acht Jahren produzierte CD-ROM-Version des KLG, die, platzsparend, dessen Fülle auf einer Scheibe konzentriert und nun bei Zweitausendeins in einer überarbeiteten Sonderausgabe erhältlich ist.

Der Vorteil der CD-ROM ist evident: Wer nicht nur den Artikel, sagen wir: über Handke, lesen will, sondern sich für Zusammenhänge mit anderen Autoren interessiert, sucht einfach nach dem Stichwort „Handke“ und bekommt eine Liste von 156 Artikeln, in denen Handke vorkommt. So stößt er etwa auf einen Aufsatz über „stumme Stücke“ von Beckett, Handke und Heiner Müller, der ihm ansonsten vielleicht entgangen wäre.

Die Informationsfülle ist so beeindruckend, dass man ungern meckert. Artikel zu 700 Autorinnen und Autoren enthält das Werk. Dass da immer noch manche fehlen, die mit mehreren Publikationen zur aktuellen deutschsprachigen Literatur zu rechnen sind, liegt auf der Hand. Stellvertretend seien Barbara Bongartz, Kathrin Röggla, Heidi Pataki, Elfriede Gerstl, Andreas Maier, Willi Hengstler, Antonio Fian, Dea Lohr oder Roland Schimmelpfennig genannt (und für die nächste Runde vorgeschlagen), von denen die meisten mehrfach als Rezensenten, nicht aber als durchaus bedeutende und nicht erst seit kurzem maßgebliche Verfasser von Primärtexten vorkommen.

Thomas Rothschild

Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Das KLG auf CD-ROM. Zweitausendeins, 2007. 24,95 Euro.

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