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Freitag, 25. Mai 2012 | 14:42

 

Purcell: Theatre Music

01.05.2008

Rothschilds CD-Tipp

Anmutig


Insbesondere die Musiken, die Purcell in seinen letzten fünf Lebensjahren für das Theater geschrieben hat, atmen eine Leichtigkeit, eine Grazie, die ihresgleichen sucht.

 

Wie sehr nicht nur im Sport, sondern auch in den Künsten noch in nationalen Kategorien gedacht wird – ein Anachronismus, für den es keinerlei Rechtfertigung gibt –, lässt sich daran belegen, dass Henry Purcell (wie auch zum Beispiel Benjamin Britten) im deutschsprachigen Raum nicht annähernd die gleiche Anerkennung genießt wie in seiner Heimat England. Nur Händel hat es auf Grund seiner Biographie geschafft, diesseits und jenseits des Kanals gleichermaßen geschätzt und aufgeführt zu werden, wie böhmische Komponisten hierzulande eingemeindet wurden, wenn sie nur lange genug in Deutschland gelebt haben. Mag man bei der Literatur diesen Gesichtspunkt noch insofern halbwegs plausibel finden, weil sie aus Sprache besteht und eine Übertragung das Original nicht ersetzen kann, so ist er bei der Musik nur als borniert zu kennzeichnen. Auch Geschichte und kulturelles Umfeld stellen kein Hindernis dar für die Rezeption von Purcell außerhalb Großbritanniens.

Wollte man Purcells Musik mit einem Wort charakterisieren, so müsste man auf eines zurückgreifen, das, wie das von ihm Bezeichnete, aus dem Gebrauch gekommen ist: Anmut. Insbesondere die Musiken, die Purcell in seinen letzten fünf Lebensjahren für das Theater geschrieben hat, atmen eine Leichtigkeit, eine Grazie, die ihresgleichen sucht. Das macht ihr tänzerischer Charakter, die Vorliebe für punktierte Rhythmen. In die Stücke, die in den neunziger Jahren des 17. Jahrhunderts in London aufgeführt wurden, eingebunden waren Arien und eben Tänze, eine Ouvertüre eröffnete die Vorstellung. Auf der CD, die als erste Folge Theatermusiken von Purcell vereint, ist ein „Amphitryon“ zu hören, zwei weitere Komödien, „Sir Barnaby Whigg“, für die Purcell nur ein Duett schrieb, und „The Gordian Knot Unty’d“ werden ergänzt durch die Tragödie „Circe“. Die Interpretation durch größtenteils kanadische Sängerinnen und Sänger und das Aradia Ensemble aus Toronto unter der Leitung des irischen Dirigenten Kevin Mallon befindet sich auf der Höhe der Komposition. Eine schöne, ja: eine anmutige Zugabe zu den bekannteren Semi-Operas „King Arthur“, „The Fairy Queen“ oder der Oper „Dido and Aeneas“.

Thomas Rothschild


Purcell: Theatre Music. 1. Naxos, 8.570149.
Reinhören bei Naxos

 

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