In einer „Zauberflöte“ der Ludwigsburger Festspiele sollte Konstantin Wecker den Papageno spielen. Daraus ist leider nichts geworden. Nun aber kann man den Liedermacher und Filmschauspieler in einer neuen Rolle erleben, und er meistert sie fulminant.
„Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew ist das bekanntere Stück. Aber der „Karneval der Tiere“ von Saint-Saëns lässt sich damit vergleichen. Mit Mussorgskis „Bildern einer Ausstellung“ (aber auch mit Smetanas „Moldau“, mit Beethovens 6. Symphonie oder mit „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ von Richard Strauss) teilen die beiden Kompositionen den Charakter einer unmittelbar verständlichen Tonmalerei oder Tondichtung, mit „The Young Person’s Guide to the Orchestra“ von Benjamin Britten haben sie den didaktischen Ansatz gemeinsam, der sie besonders für Kinder geeignet erscheinen lässt. Konstantin Wecker verknüpft die vierzehn kurzen Sätze des „Karnevals der Tiere“ mit Kommentaren zu den musikalisch porträtierten Tieren und zu den Instrumenten, die dafür zum Einsatz kommen. Es war eine gute Idee, die Reaktionen der Kinder auf der Aufnahme zu belassen. Sie stören keinen Augenblick und beweisen, wie intelligent Kinder Kunst begegnen, wenn man sie nur anspricht und auf ihren Horizont eingeht. Konstantin Wecker, der das vorbildlich tut, hat Saint-Saëns durch ein eigenes einleitendes Lied ergänzt, das die Kinder, wie man hören kann, in eine erwartungsvolle Stimmung versetzt.
Eltern, tut euch und euren Kindern etwas Gutes und kauft ihnen zum nächsten Anlass statt Kinderschokolade oder dem letzten „Harry Potter“ den „Karneval der Tiere“! Hier erfüllt sich Brechts Hoffnung, dass Lernen nicht als Strafe, sondern als Lust empfunden wird.
Thomas Rothschild
Camille Saint-Saëns: Karneval der Tiere. Igel-Genius, CD 204 (Vertrieb: Naxos).