Mehr noch als das Saxophon dürfte das Vibraphon als typisches Jazzinstrument wahrgenommen werden. Nach den Großmeistern Lionel Hampton und Milt Jackson hat es immer wieder seine Liebhaber gefunden, die sich vom Klang dieses Perkussionsinstruments, das dem Xylophon und der Marimba verwandt ist, faszinieren ließen, und es hat sich auch durchaus unterschiedlichen Stilarten angepasst. Stefan Bauer spielt das Vibraphon und die Marimba ganz unspektakulär. Nicht auf Virtuosität kommt es ihm an, sondern eher auf musikalische Nachdenklichkeit. Dafür hat der Deutsche in New York ein kongeniales Ensemble um sich geschart: die Sängerin Michal Cohen, den Saxophonisten Chris Bacas, den Kontrabassisten Ugonna Okegwo und den Schlagzeuger Ted Poor. Die Stücke, größtenteils von Bauer und seiner Gruppe selbst komponiert, sind zum Teil aphoristisch kurz. Unisonopassagen wechseln mit dialogischen Girlanden und mit Sets, die den einzelnen Instrumenten auch solistisch genügend Raum lassen, Neobebop steht neben eher meditativen Entwürfen – Titel wie „Klangskizze“, „Nachklang“, „Momentaufnahme“ und „Nachtlied“ kennzeichnen die Stimmung treffend. Wer im Übrigen den Einsatz der menschlichen Stimme als Instrument, also ohne Text – aber in diesem Fall: auch weit entfernt vom Scat – liebt, wird insbesondere an Michal Cohen seine Freude haben. Der Vorname sollte nicht in die Irre führen: es handelt sich tatsächlich um eine Frau, in Israel geboren und unter anderen am Berklee College of Music ausgebildet.
Thomas Rothschild
Stefan Bauer: Voyage. JazzHausMusik, JHM 167.