Streicher sind in der Popmusik stets ein Risiko. Der Kitsch stellt sich schnell ein, wo sie den Ton angeben. Der Soul à la Otis Redding war ja immer ein wenig überarrangiert, Schmusemusik, der die Provokation des Rock’n’Roll ausgetrieben worden war. Ihre Kraft bezieht der Soul, der das langsame Tempo bevorzugt, aus der akzentuierten Rhythmik, nicht aus seinem Temperament. Al Green steht ganz in dieser Tradition: eine hohe, gepresste Stimme, eindringlich, unterstützt von massiven Arrangements.
Al Green ist ja kein Newcomer. Wenn er jetzt mit jüngeren Musikern zusammenarbeitet, bleibt er doch dem Stil treu, mit dem er Karriere gemacht hat. Von der religiösen Inbrunst, die diese Karriere begleitet hat, ist auf der neuen CD allerdings nichts zu merken. Das Thema ist Liebe und Begehren, aber auf die Texte kommt es bei diesen Songs nicht an.
Thomas Rothschild
Al Green: Lay It Down. Advance Music/Blue Note, 50999 2 12600 2 5 (Vertrieb: EMI).
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