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Freitag, 25. Mai 2012 | 14:44

 

Bach/Mozart/Heifetz: Violin Concertos

24.07.2008

Rothschilds CD-Tipp

Dialog mit sich selbst


Jascha Heifetz konnte im Playback-Verfahren beide Parts in Bachs Konzert für zwei Violinen in d-Moll aufnehmen.

 

Die Verführung, neue technische Möglichkeiten für die Künste zu instrumentalisieren, ist groß. Das Ergebnis ist meist enttäuschend, insbesondere bei der Anwendung auf Werke, die nicht für diese Techniken konzipiert waren. Es stellt oft eher einen Gag dar als eine „Verbesserung“. Dass aber eine Komposition für zwei gleichzeitig spielende Solisten von einem einzigen Virtuosen interpretiert werde, ist historisch nur an der praktischen Unausführbarkeit gescheitert. Die Technik der Tonaufzeichnung hat da in der Tat eine reizvolle Möglichkeit zur Verfügung gestellt. Und so konnte Jascha Heifetz im Playback-Verfahren beide Parts in Bachs Konzert für zwei Violinen in d-Moll aufnehmen. Vorzüglich der langsame zweite Satz dieses viel gespielten Konzerts lohnt den Kauf der nun vorliegenden CD. Dabei steht das romantisierende Spiel des mit sich selbst in Dialog tretenden Geigers in sonderbarem Gegensatz zur eher mechanischen Auffassung des RCA Victor Chamber Orchestra unter Franz Waxmann.

Jascha Heifetz gilt zu Recht neben David Oistrach und Yehudi Menuhin als einer der Größten seiner Generation. Außer dem Doppelkonzert spielt er auf der CD mit Aufnahmen aus den Jahren 1946 bis 1953 die Violinkonzerte Nr. 1 in a-Moll und Nr. 2 in E-Dur von Johann Sebastian Bach. Sein eigentliches Terrain aber, auf dem er seine Meisterschaft voll entfalten kann, betritt er mit Mozarts fünftem Violinkonzert in A-Dur. Hier findet er in dem London Symphony Orchestra unter Malcolm Sargent auch einen gleichgestimmten Partner. Heifetz wandelt auf einem schmalen Weg zwischen einer gefühlvollen oder harmlos heiteren, „innigen“ Mozart-Auffassung, wie sie vor allem in Österreich bis Harnoncourt geradezu aggressiv gepflegt wurde, und einem entschlackten Mozart.
Tully Potters gescheiter Begleittext liefert eine auf die üblichen Phrasen verzichtende dichte Analyse von Werk und Interpretation, ohne deren Schwächen zu unterschlagen – eine ebenso seltene wie beherzigenswerte Redlichkeit. Die Einwände kann man dann nachvollziehen, man kann ihnen auch, wie etwa in Bezug auf Malcolm Sargents Dirigat, widersprechen. Dass die Perfektion der Aufzeichnung vor mehr als einem halben Jahrhundert naturgemäß nicht den heutigen Standards entsprach, nimmt man dagegen gerne in Kauf, wo die künstlerische Qualität überzeugt.

Thomas Rothschild


Bach/Mozart/Heifetz: Violin Concertos. Naxos Historical.

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