1966 dichteten und zeichneten F. W. Bernstein und seine vor nicht allzu langer Zeit verstorbenen Altersgenossen Robert Gernhardt und F. K. Waechter von der „Neuen Frankfurter Schule“, die Köpfe hinter der „pardon“-Abteilung „WimS“ und der späteren „Titanic“, die fiktive Biographie „Die Wahrheit über Arnold Hau“.
Zu den bestgehüteten Geheimnissen der deutschen Filmgeschichte gehören die Filme, die diesem Arnold Hau zugeschrieben werden. Sie sind unübertroffene Beispiele eines intelligenten Blödelhumors. Filmisch geben sie sich bewusst dilettantisch wie die frühen Filme von Herbert Achternbusch. Die nicht nur scheinbare handwerkliche Hilflosigkeit trägt zur Komik bei. Das Scheitern ist auch inhaltlich eine unversiegliche Quelle der Komik. Und dann ist da der unvergessene Alfred Edel, eins der Originale, von denen es um 1968, in jener angeblich kollektivistischen und humorlosen Zeit, eine ganze Menge gab. Wo sind sie heute, die begnadeten Spaßmacher, die aus einem Bildungsfundus und aus Kenntnis ihrer weiteren Umgebung schöpfen konnten?
Die Filme der Gruppe Arnold Hau (auch Hau Coop) offenbaren die cineastische Leidenschaft ihrer Mitglieder: F. K Waechter, Robert Gernhardt, Bernd Eilert und Arend Agthe. Film wird in ihnen immer wieder selbst zum Thema. Der vielleicht witzigste unter ihnen dauert knapp drei Minuten und könnte heute als Musikvideo
to end all Musikvideos gesehen werden.
Insgesamt enthält die erste von zwei zusammengepackten DVDs neun Filme unterschiedlicher Länge und der verschiedensten Genres, vom mystifizierenden Dokumentarfilm (à la „F for Fake“ von Orson Welles) über den Kurzspielfilm bis zum Trickfilm und zum inszenierten Kalauer.
Gemeinsam ist ihnen eine Vorliebe für das Absurde, das – wie etwa in den Geschichten von Daniil Charms und Stanisław Mrożek oder den Filmen von Věra Chytilová – ins Komische gekehrt ist. Auf der zweiten DVD liefern die überlebenden Macher Eilert und Agthe sowie Zeitzeugen Hintergrundinformationen zur Entstehung, zur kurzen Aufführungsgeschichte und zum Charakter dieser Filme. Übereinstimmend wird ihnen Einmaligkeit und Unvergleichbarkeit attestiert. Dem kann man weitgehend zustimmen. Wer freilich Verwandtschaften sucht, sollte eher bei René Clair nachforschen als bei Chaplin und Keaton. Und wer bisher nicht auf die Idee gekommen ist, dass man Thomas Mann mit Kleist verwechseln kann, der darf sich darüber wundern, dass zwei Fachleute ein und demselben Text eine stilistische Nähe eben zu Mann bzw. zu Kleist zuschreiben. Genau besehen drängt sich der Verdacht auf, dass diese Interpreten eine Erfindung Arnold Haus sind.
Thomas Rothschild
F. K Waechter, Robert Gernhardt, Bernd Eilert und Arend Agthe: Die Filme der Gruppe Arnold Hau 1970-1981. absolut MEDIEN.
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