Es gehört Mut dazu, die Rolling Stones zu covern. Chuck Leavell ist ein ausgezeichneter Sänger und ein noch besserer Pianist. Er schafft sogar „Honky Tonk Women“ ohne Einbußen. Das ist umso erstaunlicher, als er die, übrigens vorzügliche, Band, mit der er das hier aufgezeichnete Konzert bestritten hat – Lutz Häfner (sax), Frank Kuruc (g), Christian Diener (b) und Paul Höchstädter (dr) – buchstäblich im letzten Moment zusammenstellen musste. Es ist wiederum weniger erstaunlich, wenn man weiß, dass Leavell mit den Stones zwei Jahre in Sachen „Bigger Bang“ unterwegs war und dass er mit den Allman Brothers, Eric Clapton, George Harrison gespielt hat.
Chuck Leavell ist im Blues ebenso daheim wie im Rock’n’Roll, und dazwischen produziert er auch lyrische Töne. Der Titel seiner Europatournee und der Doppel-CD „Green Leaves & Blue Notes Tour“ bezieht sich auf eine politische und eine musikalische Position: die grünen Blätter verweisen auf ein ökologisches Engagement, die Erhaltung der Wälder, die Blue Notes auf ein Grundelement des Blues und des Jazz. Nun muss man aber erwähnen, dass Chuck Leavell eine ausgesprochen glückliche Hand bei der Auswahl der Titel hat. Es gibt in der Rockgeschichte wenig mitreißendere Songs als „Compared To What“, und Chuck Leavells Version kann sich durchaus neben der berühmtesten von Les McCann hören lassen. Auch wenn Leavell, diesmal allein am Klavier, Hoagy Carmichaels „Georgia on My Mind“ singt, braucht er den Vergleich mit Ray Charles nicht zu scheuen. George Harrisons „Here Comes The Sun“ steht auf dem Programm und, wiederum von den Rolling Stones, „Tumbling Dice“ sowie das Traditional „Alberta, Alberta“. Und dann Chuck Leavells Eigenkompositionen, mal balladesk wie „Savannah“ oder „Blue Rose“, mal funky wie „Tomato Jam“. Wer Rockmusik liebt, wie sie vor Techno und Hip-Hop produziert wurde, sollte sich Chuck Leavell gönnen.
Thomas Rothschild
Chuck Leavell: Live in Germany. Green Leaves & Blue Notes Tour. 2 CD. Pepper Cake/ZYX (Vertrieb: ZYX).
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