Es ist verschiedentlich darauf hingewiesen worden, dass der Rock’n’Roll nicht plötzlich aufgetaucht ist. Er hatte seine Vorläufer im Rhythm and Blues, im Boogie-Woogie, auch in der Country Music. Dennoch ist es nicht ganz falsch, wenn man 1954, das Jahr, in dem Elvis Presley die Szene betrat, als das Geburtsjahr des Rock’n’Roll betrachtet. Das inflationär gebrauchte Wort „Kulturrevolution“ – hier passt es. Mit dem Rock’n’Roll fand sie tatsächlich in der Musik und damit in der Jugendkultur statt. Sie etablierte Normen, die ihre Auswirkungen bis heute zeigen.
1956 ging es dann mit „Heartbreak Hotel“ erst richtig los. Wenn man der Angabe auf der vorliegenden Doppel-CD glauben darf, enthält sie sämtliche Aufnahmen, die Elvis Presley 1956 gemacht hat. Sie entstanden in Studios, bei Konzerten und in Radio- und Fernsehshows. In der Dorsey Brothers Show war Elvis damals geradezu Stammgast. Er singt seine ersten großen Rock’n’Roll-Hits wie „Heartbreak Hotel“, „Blue Suede Shoes“, „Tutti Frutti“, „Money Honey“, „Hound Dog“, „Long Tall Sally“, „Don’t Be Cruel“, zum Teil in mehreren Versionen. Man darf nicht vergessen, dass Elvis seinerzeit nicht nur als King des Rock’n’Roll, sondern auch als Interpret sentimentaler Schmachtfetzen zu Begeisterungsorgien Anlass gab. So findet man bereits 1956 solche Erfolgstitel wie „I Was The one“, „I Want You, I Need You, I Love You“, „Love Me“ oder „Love Me Tender“, deren erotisches Potenzial nicht geringer ist als das von Presleys berühmten Hüftschwung. Genau genommen hat Elvis Presley bereits mit seinem Höhepunkt begonnen. Besser ist er auch später nicht geworden. Enthalten sind zwei Interviews, bei denen aus heutiger Sicht verblüfft, wie brav, ja geradezu unterwürfig Elvis auf die Fragen antwortet.
Thomas Rothschild
Elvis Presley: The Complete ´56 Sessions. Chrome Dreams (Vertrieb: in-akustik).
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