Ein Sabotageakt soll die alternative Produktion von Energie verhindern, um die Erdölpreise vor dem Verfall zu retten. Eine Geschichte aus unserer Zeit? Ein neuer Hollywood-Film? Keineswegs. Es ist ein Stummfilm aus dem Jahr 1918, der davon handelt, und er stammt aus der Sowjetunion. Sein Regisseur ist Lew Kuleschow, damals gerade 19 Jahre alt.
„Das Projekt des Ingenieurs Pright“, 30 Minuten lang, war Kuleschows Debüt als Regisseur. Die Errungenschaften dieses Meisterwerks mögen in Zeiten der Computeranimation nur noch schwer nachzuvollziehen sein. Wer aber Interesse hat an der Geschichte des Films im Allgemeinen und des Stummfilms im Besonderen, wird an diesem Spionage- und Abenteuerfilm aus der Frühzeit des Kinos seine Freude haben. Die DVD-Edition ist vorbildlich. Sie stellt nicht nur eine russische und eine deutsch untertitelte Version mit zwei verschiedenen (neuen) Musikzuspielungen zur Verfügung, sondern auch ausführliche Kommentare, die man, wie Fußnoten, an den entsprechenden Stelle des Films auf den Bildschirm klicken kann.
Nicht weniger interessant als Kuleschows erster Film ist jedoch ein Film über ihn, in dem er 1969 (im Menü ist irrtümlich die Jahreszahl 1962 angeführt), ein Jahr vor seinem Tod, über sein Leben und – mit längeren und faszinierenden Filmausschnitten – über seine Arbeit erzählt und, in bewundernswerter Bescheidenheit, über den nach ihm benannten Effekt, der darin besteht, dass Filmbilder durch ihren Kontext, ihre Nachbarschaft die Bedeutung verändern. Das mag heute wie eine Binsenwahrheit klingen. Aber es war Kuleschow, der diese Erkenntnis erstmals formulierte.
Thomas Rothschild
Lew Kuleschow: Das Projekt des Ingenieurs Pright.absolut MEDIEN.