Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree von Michael Ebmeyer "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 14:48

 

Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen

15.01.2009


Regietheater

Ein „Ring“, befreit von jeglicher Deutschtümelei und bereichert um Humor, der diesen Namen verdient.

 

Man muss kein Wagnerianer sein, um vom Stuttgarter „Ring“, der 2002 seine Premiere erlebte und leider nicht mehr auf dem Spielplan steht, zu schwärmen. Er ist nicht zuletzt ein Triumph des Regietheaters. Der damalige Intendant der Stuttgarter Staatsoper Klaus Zehelein, der ein schlechterer Selbstdarsteller, aber gewiss kein schlechterer Ideenlieferant ist als der umtriebige Gérard Mortier, verzichtete darauf, die vier Abende wie aus einem Guss erscheinen zu lassen, und betraute damit stattdessen vier recht unterschiedliche Regisseure. Sogar die Besetzung der Rollen, die sich durch mehrere Teile des Zyklus ziehen, wechselte. Das Ergebnis war ein „Ring“, befreit von jeglicher Deutschtümelei und bereichert um Humor, der diesen Namen verdient. Nichts da von einem Weihespiel für Gläubige einer hochnäsigen Gemeinde. Und die Wagner-Fans aus Japan, die gruppenweise angeflogen kamen und den Vorstellungen im bayrischen Trachtenlook beiwohnten, trugen eher zur Belustigung bei als zum Kultcharakter.

Für „Das Rheingold“ wurde Joachim Schlömer gewonnen, dessen Herkunft vom Tanztheater nicht zu übersehen war und der seine Rheintöchter in einem Kurbad agieren ließ. Heiterer dürfte Wagner noch nie eröffnet worden sein. Düsterer geht es in der „Walküre“ von Christoph Nel zu. Dem schwächsten der vier Libretti kann auch er nicht einhauchen, was der stabreimende Komponist ihm vorenthalten hat. Für den Mangel an szenischer Spritzigkeit entschädigt jedoch die wunderbare Sängerin und begnadete Schauspielerin Angela Denoke als Sieglinde. Im „Siegfried“ von Jossi Wieler und Sergio Morabito, dem Duo, dem wir einige der intelligentesten Operninszenierungen der vergangenen Jahre verdanken, fällt allem voran Jon Fredric West als Siegfried auf. Mit seinem strähnigen Haar und dem T-Shirt über dem gut entwickelten Bauch ist er, schwitzend und wie toll herumhüpfend, mit Bedacht gegen das Klischee und die übliche Erwartung besetzt. Für das Bühnenbild zeichnet in „Siegfried“ Anna Viebrock verantwortlich, die gern mit diesem Team arbeitet, wenn sie nicht gerade von Christoph Marthaler beansprucht wird. Dass selbst bei solch einem rundum gelungenen Projekt noch eine Steigerung möglich ist, bewies Peter Kowitschny mit seiner „Götterdämmerung“. Mit ihrer Ballung von ebenso originellen wie einleuchtenden Einfällen, die niemals nur einem Effekt, sondern stets der Interpretation dienen, stellte dieser Abschluss zugleich den Höhepunkt des Zyklus dar.

Bleibt zu ergänzen, dass der mehrfach überregional ausgezeichnete Chor der Staatsoper Stuttgart und das Staatsorchester unter der Leitung von Lothar Zagrosek dem anspruchsvollen Unternehmen auch musikalisch mehr als gerecht wurden.

Thomas Rothschild


Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen. 7 DVD. EuroArts/SWR/arte EDITION.-------------------------------------------------------------


TITEL-Kulturmagazin bietet regelmäßig Neuigkeiten aus Literatur, Musik und Film. Unabhängig und kompetent - seit über 10 Jahren!

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Hausberg-Musik

Spätestens seit Ende letzten Jahres La Brass Banda nach über 500 Konzerten weltweit die Münchner Olympiahalle füllten, dürfte ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...