Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 14:49

 

Alexander von Schlippenbach: Piano Solo 77

22.01.2009


Gerechtigkeit für Schlippenbach

Schlippenbachs Improvisationen sind meist „agitato“, sie mögen sich zunächst willkürlich anhören, aber sie haben eine innere Logik, eine Entwicklung, die zwingend erscheint.

 

Es gibt keine Gerechtigkeit bei der Beurteilung der Künste. Gäbe es Gerechtigkeit, so wüsste jeder, dass Alexander von Schlippenbach zu den bedeutendsten deutschen Pianisten gehört. Aber er spielt Free Jazz, und Free Jazz ist eine Minderheitenmusik innerhalb der Minderheitenmusik Jazz. An dem, was den Free Jazz frei macht, nämlich der Verzicht auf ein überschaubares, gar nachsingbares Thema, kann es nicht liegen, sonst wäre der Erfolg von Keith Jarretts Improvisationen nicht zu erklären. Es ist die anhaltende Fixierung auf Tonalität, was Schlippenbachs Werk ins Abseits drängt.

Seine Soloaufnahmen, die FMP jetzt als CD neu aufgelegt hat, haben drei Jahrzehnte auf dem Buckel und wirken moderner als alles, was heute im Jazz produziert wird. Schlippenbachs Improvisationen sind meist „agitato“, sie mögen sich zunächst willkürlich anhören, aber sie haben eine innere Logik, eine Entwicklung, die zwingend erscheint. Die linke und die rechte Hand gehen, virtuos, oft ihre eigenen Wege, die doch in einer komplexen Relation zu einander stehen. Die Schönheit dieser Improvisationen erschließt sich, wenn man sich ihrer Bewegung anvertraut, ihrem vorwärtsdrängenden Impetus. Wohlklang ist für Schlippenbach, den man wie Keith Jarrett oder Glenn Gould mitsummen hört, anders als bei Jarrett, keine Kategorie.
Seine Musik nimmt innerhalb des Jazz eine Position ein, die jener von Webern, Berg oder Eisler innerhalb der sogenannten E-Musik vergleichbar ist. Sein Anschlag lässt das Klavier fast wie ein Perkussionsinstrument klingen (was zum Teil auch an der Technik liegen mag, die nach heutigen Standards als primitiv zu bezeichnen wäre). Gerade das trockene, in den lauten Passagen weitgehend pedalfreie Spiel freilich verleiht den Stücken einen besonderen, transparenten Charakter. Da wird nichts verwischt, nichts geglättet.

Thomas Rothschild


Alexander von Schlippenbach: Piano Solo ´77. FMP (Vertrieb: CODAEX)

 

TITEL-Kulturmagazin bietet regelmäßig Neuigkeiten aus Literatur, Musik und Film. Unabhängig und kompetent - seit über 10 Jahren!

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Hausberg-Musik

Spätestens seit Ende letzten Jahres La Brass Banda nach über 500 Konzerten weltweit die Münchner Olympiahalle füllten, dürfte ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Öko oder Nazi - Hauptsache Pirat!

Die gute Nachricht zuerst: Die Polizei hat diese Woche bei einer Razzia in Nordrhein-Westfalen zwanzig Wohnungen durchsucht und drei Rechtsextreme im Alter zwischen 18 und  20 Jahren ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...