Es gibt keine beste Platte von Van Morrison, weil alle seine Platten beste Platten sind. Es gibt höchstens eine Platte, die einem die liebste ist. Für mich wäre das „Into The Music“ von 1978. Aber dieses Urteil besagt nichts über Van Morrison, sondern lediglich über mich, ist also ohne Bedeutung. Ebenso gut kann man die zehn Jahr davor entstandene LP „Astral Weeks“ für Van Morrisons beste Aufnahme – und wie manche meinen, überhaupt die beste Rock-LP aller Zeiten – halten.
Nun hat Van Morrison die acht Songs dieser LP nach vierzig Jahren live aufgenommen. Das muss man sich vor Augen halten: wie verstaubt wirkt doch vieles, was damals im Bereich der Künste produziert wurde. Und da kann einer auf die Bühne gehen, das Programm von 1968 vortragen und auf CD verbreiten, und nichts deutet auf die Zeit hin, die seit der ersten Aufnahme verstrichen ist. Was haben wir doch seither für Moden erlebt, deren Apologeten jeweils so taten, als sei nun das Maximum des Möglichen erreicht: Reggae und Ska, Drum’n’Bass und House. Der Blues, auf dem Van Morrisons Kunst beruht, hat alle überlebt. Van Morrison beweist mit jedem Song, dass Power und Lautstärke nicht dasselbe sind. Man höre sich nur die zweite Zugabe und den letzten Titel der CD an, um sich davon zu überzeugen, wie der kleine Ire durch die pure mehrfache Wiederholung einer Phrase eine Steigerung bewirkt. Die Texte liegen der CD bei.
Wer Van Morrison einmal im Konzert erlebt hat, weiß, dass er auf jegliche Schau verzichtet und sich stattdessen ganz auf seinen unverwechselbar knödelnden Gesang konzentriert sowie seinen Musikern Raum lässt – so auch bei der vorliegenden Aufnahme. Wieder eine beste Scheibe.