Bei allem Respekt: Ennio Morricone ist nicht der einzige Filmkomponist. Eleni Karaindrou zum Beispiel ist nicht weniger bedeutend. Ihre Musik ist nachdenklich, wehmütig. Sie hat einen ganz eigenen Stil, und der ist wie geschaffen für die Filme von Theo Angelopoulos. Einem Symphonieorchester stellt Karaindrou in ihrer Musik für dessen jüngsten Film „Dust of Time“ („I skoni tou hronou“) Solisten gegenüber. Die Vorliebe für das Cello und auch für das Fagott und die Oboe verleihen dieser Musik eine Wärme, eine Innigkeit, die auch ohne Bilder ihre Wirkung tun. Ein besonderer klanglicher Reiz geht von der Symbiose eines Akkordeons mit dem Orchester aus. Dass es sich um Filmmusik handelt, ist dennoch erkennbar, vor allem in den sehr kurzen Stücken, die Fragmentcharakter haben, einer Szene unterlegt werden, aber der Komponistin nicht erlauben, das Material zu entfalten (was man der Karaindrou durchaus zutrauen möchte).
In dem aktuellen Film gibt es eine Szene, in der eine Orchesterprobe zu sehen ist. Eleni Karaindrou hatte also Gelegenheit, eine Musik abzuliefern, deren Quelle auf der Leinwand (im „On“) zu sehen ist (die Filmwissenschaft spricht, unter Rückgriff auf Genette, von „diegetischer Musik“) und der naturgemäß vom Zuschauer mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird als der üblichen untermalenden Filmmusik. Das dafür komponierte Thema zieht sich leitmotivisch durch den Film und also durch einzelne Stücke der CD.
Man kann nicht von Eleni Karaindrou sprechen, ohne Manfred Eicher zu nennen. Ihm hat Karaindrou auch die Musik zu „Dust of Time“ gewidmet. Der Begründer und Produzent von ECM hat eine besondere Affinität zum Film. Es ist kein Versehen, dass sich zahlreiche Regisseure von Rang auf sein Repertoire und seinen Geschmack verlassen, wenn es um die Auswahl von (vorhandenen) Musiken geht. Will sagen: viele CDs, die Eichers Handschrift tragen, haben von vornherein „filmischen“ Charakter. Kein Wunder also, dass er als Produzent von originärer Filmmusik eine erste Adresse ist.