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Freitag, 25. Mai 2012 | 14:52

Pippo Pollina/Linard Bardill: Caffè Caflisch

09.04.2009

Liedermacher und Cantautori

In einem seiner Texte schwärmt Pippo Pollina von den siebziger Jahren. Die Dinge, an die er da erinnert, lassen einen in der Tat melancholisch werden.

 

Liedermacher, so scheint es, gehören – jedenfalls in dem Sinn, den das Wort in den sechziger Jahren annahm – einer Vergangenheit an, als es noch eine Rolle spielte, was Texte zu sagen haben und wie sie formuliert sind. Es schmerzt, dass Franz Josef Degenhardt, um nur einen der weit über das Milieu hinaus erfolgreichsten zu nennen, im wahrsten Sinn des Wortes: sang- und klanglos aus der Öffentlichkeit verschwunden ist, als würden wir seine Kunst nicht mehr denn je benötigen. Aber es ist nicht nur ein deutsches Phänomen. Auch die italienische Entsprechung zu den Liedermachern, die Cantautori sind in der Szene kaum noch präsent. Nun aber gibt es eine CD zu vermelden, die die Liebhaber des Genres erfreuen sollte. Der Italiener Pippo Pollina hat zusammen mit Linard Bardill, einem der besten Schweizer Liedermacher, unter dem Titel „Caffè Caflisch“ ein Konzeptalbum aufgenommen, das den Untertitel „Canzoni di amanti e migranti / Lieder über die Heimat in der Fremde“ trägt.

Das Caffè Caflisch befindet sich in Palermo, wo auch Pippo Pollina herstammt. Es hat ihn schon vor mehr als zwei Jahrzehnten in die Schweiz verschlagen, und die Zusammenarbeit mit Linard Bardill währt fast ebenso lang. Die Canzoni und Lieder der CD haben die beiden selbst geschrieben. Nur eins ist eine italienische Paraphrase von Konstantin Weckers „Sage Nein!“ Damals, als die Liedermacher ihre große Zeit hatten, schaute man neidvoll nach Italien, wo die Linke die Politik bestimmte. Ein Berlusconi war nicht vorauszuahnen. Heute ist das antifaschistische Bekenntnis von Weckers Song auch ein italienisches – und übrigens auch ein Schweizer – Thema. Wer hätte das vorausgeahnt? In einem seiner Texte schwärmt Pippo Pollina von den siebziger Jahren. Die Dinge, an die er da erinnert, lassen einen in der Tat melancholisch werden.

Aber diese CD ist nicht nur nachdenklich, sie ist auch ein voller musikalischer Genuss mit den süffigen, abwechslungsreichen Melodien und der stimmigen Begleitband. Nicht zuletzt das Cover sei gepriesen. Es zeigt auf einem alten Foto das Caffè Caflisch. Was sonst?

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