Was die Instrumentierung für die Musik ausmacht, wird überdeutlich, wenn man etwa Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ in der originalen Klavierfassung und dann in einer der Bearbeitungen für Orchester hört. Nicht zufällig hat sich diese Komposition in der aufgeblähten Form durchgesetzt. Der in England geborene und verstorbene amerikanische Dirigent Leopold Stokowski hatte schon vor dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Bearbeitungen von Bachs Kompositionen für großes Orchester durchschlagenden Erfolg. Er hat die Barockmusik sozusagen der Romantik angenähert und ist damit in exakt die entgegengesetzten Richtung gegangen als später die Befürworter des Originalklangs. Mit der Differenzierung und Auskostung der Klangfarben, die das Symphonieorchester ermöglicht, geht bei Stokowski eine emotionalisierende Interpretation einher, die nicht selten bis zum Kitsch vordringt und wohl eben deshalb so populär wurde und es bis heute geblieben ist. Mittlerweile werden Stokowskis Versionen rezipiert wie Filmmusik, als die sie auch tatsächlich immer wieder dienten.
Grundsätzlich ist gegen solche Uminstrumentierungen nichts einzuwenden. Bach selbst hat derlei unternommen. Zu den bekanntesten Beispielen gehört seine Transkription für vier Cembali von Vivaldis Konzert für vier Violinen aus „L’Estro Armonico“. Zahlreiche bedeutende und weniger bedeutende Komponisten von Brahms und Reger bis Schönberg und Miles Davis haben solche „Fingerübungen“ praktiziert. Und es gibt Beispiele, bei denen eine Komposition durch die Übertragung auf andere als die ursprünglich geplanten Instrumente durchaus gewinnt. Wobei es doch bemerkenswert ist, dass die Reduktion – etwa in den Klavierbearbeitungen von Beethovens Symphonien durch Franz Liszt – weitaus seltener ist als die Vergrößerung: dass das Größere immer und überall besser sei, gehört zu den ideologischen Prämissen einer auf Wachstum eingestimmten Gesellschaft.
Auf der vorliegenden CD dirigiert der Stokowski-Schüler José Serebrier Bearbeitungen von Orgelstücken, Cembalo- und Violinstücken sowie Kantaten Bachs, darunter der Toccata und Fuge in d-Moll und der Fuge in c-Moll, aber auch von Kompositionen Giovanni Palestrinas, William Byrds, Jeremiah Clarkes, Luigi Boccherinis, Johann Matthesons und Joseph Haydns.