Es ist eine veraltete Aufführung, und das Bühnenbild wirkt aus heutiger Sicht ziemlich scheußlich. Was diese 1973 aufgezeichnete Inszenierung Otto Schenks von Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“ aus dem Jahre 1972 zu einem Juwel macht, ist die Wiederbegegnung mit Schauspielern in einer ihrer Sternstunden. Es sind die komödiantischen Leistungen, die hier unübertrefflich zur Geltung kamen. Allen voran muss Helmut Lohner als Junker Andreas von Bleichenwang genannt werden, und gleich nach ihm Josef Meinrad als Malvolio, dann Hans Dieter Zeidler als Junker Tobias von Rülp, die noch junge Christiane Hörbiger als Maria und der unersetzliche Karl Paryla als der Narr. Dagegen kommen Klaus Maria Brandauer, Sabine Sinjen und Christine Ostermayer in den romantischen Rollen Orsinos, Olivias und Violas nicht an. Es ist dies eine typische Produktion der Salzburger Festspiele in der Ära Karajan: Die Stückwahl geht auf Nummer sicher, das Ensemble setzt sich aus Stars zusammen, die, wenn nicht tatsächlich die besten, so jedenfalls die populärsten Schauspieler jener Zeit waren.
Zumindest für Helmut Lohner darf man bestätigen: zu Recht. Denn was er hier vorführt, ist Körperkunst. Er verblödelt seinen Andreas nicht als einen Dummkopf (der er auch ist), sondern spielt seine Ungeschicklichkeit – und das ist weitaus bühnenwirksamer. Helmut Lohner kann ernste Rollen spielen wie wenige seiner Generation. Dass er aber zugleich ein begnadeter Komiker ist: hier wird es erfahrbar.
Ausnahmeschauspieler Lohner
Wer im Übrigen die Unarten österreichischer Schauspielkunst studieren möchte, der schaue sich in derselben Serie von Inszenierungen der Salzburger Festspiele die Aufzeichnung von Hofmannsthals „Schwierigem“ an. Es grenzt an Schmiere, was sich die Darsteller da leisten. Leider wird das durch die Mitwirkung des deutschen Regisseurs Jürgen Flimm sogar verstärkt. Kostüme von Karl Lagerfeld ersetzen halt nicht die Arbeit mit den Schauspielern. Helmut Lohner hat die Titelrolle, die in Salzburg von Karlheinz Hackl verkörpert wurde, in einer eher mittelmäßigen Inszenierung am Theater der Josefstadt gespielt. Auch da hätte man erfahren können, welch ein Ausnahmeschauspieler Lohner ist.
Bei den Salzburger Festspielen hat sich seit Flimms „Schwierigem“ ein Wandel vollzogen, den die einen bedauern, die anderen begrüßen. Zu den Konservativen, die sich nach Oper und Theater der Karajan-Zeit zurücksehnen, gehören Journalisten wie Politiker, deren Einfluss nur von den Geschäftsleuten übertroffen wird. Der verstorbene Bundespräsident Thomas Klestil hielt zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 1999 eine Philippika gegen das Regietheater. Der damalige Intendant Gérard Mortier wand sich, wie man einem neuen Film über die Salzburger Festspiele (Tony Palmer’s Film About The Salzburg Festival, Voiceprint TP-DVD 128) entnehmen kann, vor Abscheu. In diesem Film sagt der damalige Zuständige für die Konzertprogramme Hans Landesmann ohne Vorbehalt, dass Thomas Klestil nicht besonders intelligent gewesen sei. Wir halten also fest: Das Staatsoberhaupt muss nicht besonders intelligent sein, um Entscheidungen zu fällen, die für das Schicksal einer Nation folgenreich sein können. Eine zwar wenig überraschende, aber doch beunruhigende Erkenntnis. Über die Intelligenz „seiner“ alle Intendanzen überlebende Präsidentin Helga Rabl-Stadler wollte sich Landesmann nicht äußern. Doch der Betrachter des erwähnten Films kann sich davon ein Bild machen. Da geht es nicht um die Nation. Aber immerhin um die Salzburger Festspiele.