Der große Saxophonist Paul Desmond, bekannt vor allem als Komponist von „Take Five“ und als Partner von Dave Brubeck, ist auferstanden. Er heißt jetzt Ilona Haberkamp, und weil sie eine Frau ist, nennt sie ihr Quartett bescheiden Paul Dezz Quartet. Sie klingt, wenn sie ihr Alt- oder ihr Sopransaxophon bläst, tatsächlich wie Paul Desmond, aber das wirkt keineswegs steril, wie die mechanische Kopie von Vorgefundenem. Dabei stammen fünf der neun aufgenommenen Titel von Desmond selbst, je einer von Jimmy van Heusen und Don Sebesky, die einer älteren Generation angehören, und zwei von dem Pianisten des Quartetts Frank Wunsch. Am Kontrabass steht Paul G. Ulrich, am Schlagzeug sitzt Bruni Castellucci, und als Gast kommt der unermüdliche Ack van Rooyen am Flügelhorn hinzu.
Das ist Cool Jazz der melodiösen Sorte, scheinbar schlicht, aber keineswegs fantasielos. Paradoxerweise vermittelt er gerade durch seine kühle Unaufgeregtheit Wärme und Geborgenheit. Der Klang von Desmonds Saxophon, den Ilona Haberkamp so perfekt imitiert, steht mit seiner samtenen Intimität im Gegensatz zum nervös-hektischen Saxophon des Bebop. Bösartige Kritiker mögen „Barmusik“ assoziieren, aber das wäre ungerecht. Jedenfalls wenn man an die Barmusik der routiniert-billigen Sorte denkt.