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Freitag, 25. Mai 2012 | 14:56

The Modern Jazz Quartet

27.08.2009

Aus der Geschichte des Jazz

Musik, die bekömmlich ist, frei von Provokation. Jazz freilich ist sie allemal.

 

Vier Herren im Smoking – das entspricht nicht gerade dem Bild, das man sich von einem Jazzquartett macht. Das Modern Jazz Quartet, eine feste Größe in der Jazzgeschichte, oft kopiert, aber niemals erreicht, hat sich weit entfernt von den plebejischen Wurzeln des Jazz. Wenn man ihm böse wollte, könnte man sagen, es habe sich dem europäischen Geschmack derer angebiedert, die mit klassischer Musik aufgewachsen sind, und in der Tat: seine Musik ist bekömmlich, frei von Provokation. Jazz freilich ist sie allemal, durch den Swing, die Phrasierung, das musikalische Material, den verschwenderischen Einsatz von „Blue Notes“. Der trockene Anschlag des Pianisten John Lewis ist ebenso jazzig wie Milt Jacksons Vibraphon, das ja ein typisches Jazzinstrument geblieben ist. Kontrabass und Schlagzeug sorgen für die rhythmische Grundierung, die es ebenfalls in der „Klassik“ so nicht gibt. Die Intention mag vergleichbar sein mit der von Jacques Loussier oder, ein paar Jahre später, den Swingle Singers. Ehrlicher ist das Ergebnis allemal.

Wie sehr sich das MJQ den Gewohnheiten jenes Konzertpublikums annähert, das nicht unbedingt aus Jazzpuristen besteht, wird deutlich, wenn es, wie 1992 beim Jazzgipfel in Stuttgart, mit einem Orchester auftritt. Es ist nicht das überzeugendste Beispiel für den „Third Stream“, wie man solche hybriden Formationen seinerzeit nannte. Das Orchester wirkt weniger als Bereicherung denn wie ein einengendes Korsett. Das wird erkennbar, wenn man den Konzertmitschnitt vergleicht mit dem fünf Jahre zuvor aufgenommenen Auftritt beim Zelt-Musik-Festival in Freiburg, wo das Quartett auf den Hintergrund verzichtete. Dort trat es in der langjährigen Besetzung auf – mit John Lewis am Piano, Milt Jackson am Vibraphon, Percy Heath am Bass und Connie Kay, der bald nach der Gründung des MJQ in den fünfziger Jahren Kenny Clarke am Schlagzeug ablöste. In Stuttgart wurde der erkrankte Conny Kay durch Mickey Roker ersetzt.

Beide Aufnahmen haben eine Länge von nur knapp einer Stunde und hätten bequem auf einer DVD Platz gefunden.

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