Der mit nur 42 Jahren in der Nordsee ertrunkene Kritiker und Lyriker Wilhelm E. Liefland, einer der besten und Kenner des Jazz und ein großer Stilist dazu, wertete die Verabschiedung des Free Jazz und die Rückkehr zur Tonalität als reaktionäre Wende. Das mag überzogen klingen, aber angesichts auf zwei CDs neu aufgelegter Aufnahmen des Manfred Schoof Quintetts aus den siebziger Jahren gewinnt die These an Plausibilität: Moderner klingt kaum etwas, was der heutige Jazz zu bieten hat.
Das Quintett besteht aus Manfred Schoof an Trompete und Flügelhorn, Michel Pilz an der Bassklarinette, Günter Lenz am Kontrabass, Ralf Hübner am Schlagzeug und, alternativ, Jasper Van’t Hof und Rainer Brüninghaus an den Keyboards. Alle diese Musiker haben im deutschen Jazz Geschichte geschrieben. Die Freiheit der Musik liegt vor allem im Harmonischen und in der Mischung stilistischer Möglichkeiten. Dieser Musik fehlt der rebellische Gestus, der dem radikaleren Free Jazz rund um das FMP-Label eignet, in dessen Umkreis sich auch Schoof selbst bewegt hat. Um sie vor der Formlosigkeit zu retten, werden gelegentlich Ostinati des Basses zugrundegelegt, über denen sich die übrigen Instrumente umso freier entfalten können. Manchmal nähert sich das Material liedhaften Melodien, die aber gesprengt werden und nicht bloß als thematisches Material für Improvisationen dienen.
Schoofs Spielweisen sind vielfältig und reichen von halsbrecherischen Läufen bis zu balladesker Einfachheit, und Michael Pilz steht ihm darin nicht nach. Klarinette und Trompete bilden einen homogenen und doch differenzierten Sound. Jasper Van’t Hof liefert ein paar solistische Ergänzungen, die erkennen lassen, wie wohl er sich in dieser Umgebung fühlt. Aber auch Günter Lenz bekommt Raum, um sich, etwa in „Hope“, zunächst im Zusammenspiel mit Pilz, Brüninghaus und Hübner und dann solistisch zu entfalten. Dass er einer der großen deutschen Bassisten ist, wusste man ohnehin.