Das Label ECM feiert sein 40-jähriges Bestehen. Daraus ergibt sich, dass sein Gründer Manfred Eicher, den man sich irgendwie als jungen Mann vorstellt, kein junger Mann mehr sein kann. Er ist über all die Zeit, unbeirrt von Moden und Trends, seiner Konzeption und den von ihm entdeckten Künstlern treu geblieben. ECM hat, wie kaum ein Plattenlabel, seine Identität bewahrt. Man kann sie mögen oder nicht. Aber man weiß, woran man ist, wenn man sich Manfred Eichers ausgeprägtem Geschmack anvertraut.
Zu den originellsten Musikern im ECM-Katalog gehört der tunesische Oud-Spieler Anouar Brahem. Das arabische Instrument mit seinem spröden Klang lässt große Klangbögen nicht zu, wohl aber eine faszinierende "Gesanglichkeit". Mit einem äußerst differenzierten Einsatz von dynamischen Mitteln und rhythmischen Verzögerungen simuliert das der Laute verwandte Saiteninstrument die menschliche Stimme. Die Bassklarinette des Deutschen Klaus Gesing liefert den dialogischen Gegenpart, die Handtrommel Darbuka und das tamburinähnliche Bendir von Khaled Yassine aus dem Libanon sorgen für die unaufdringliche pulsierende Grundierung. Dazu kommt der Bass des Schweden Björn Meyer. Unisono-Passagen demonstrieren virtuose Geläufigkeit, ohne auf Effekte abzuzielen.
Die Melodien, alle von Anouar Brahem komponiert und dem großen vor einem Jahr verstorbenen palästinensischen Dichter Mahmud Darwisch gewidmet, sind von äußerster Schlichtheit, folkloristisch geprägt, aber was Brahem mit seinem neuen Quartett daraus macht, ist von eindringlicher Schönheit. Die CD wurde in Udine aufgenommen, und irgendwie scheint die strenge Architektur dieser italienischen Kleinstadt auf die Musiker abgefärbt zu haben. Nichts erscheint da überflüssig, alle Verzierungen wirken funktional.