An Aufnahmen mit Zigeunermusik aus Südosteuropa herrscht kein Mangel. Vor zehn Jahren noch so gut wie unbekannt, ist sie mittlerweile auf Festivals, in Jugendclubs und bei Folkfans so populär wie früher einmal die irische oder die jiddische Folklore. Das ist, wie man weiß, weitgehend dem Regisseur Emir Kusturica zu verdanken, dessen Filme maßgeblich für die Verbreitung dieser Musik verantwortlich waren wie einst „Alexis Sorbas“ für den Sirtaki.
Der Reiz dieser Musik liegt in ihren synkopierten Rhythmen, in den vitalen Bläsersätzen und in der virtuosen Schnelligkeit, mit der vor allem die Blechbläser verblüffen. Das gilt auch für die Mahal Rai Banda aus Rumänien, die auf ihrer zweiten CD dreizehn Titel anbietet, einen schöner als den anderen. Wer Taraf de Haïdouks mag und die Fanfare Cioc?rlia, Kal oder Goran Bregovi?, der wird auch an der Mahala Rai Banda seine Freude haben. Die Musik, die diese Gruppen machen, hat sich ja längst von den traditionellen Wurzeln entfernt, ist eine ganz und gar gegenwärtige Popmusik im besten Sinne, nämlich populäre Musik geworden: populär in der Bedeutung von leicht verständlich und in der Bedeutung einer Herkunft aus dem Volk.
Wenn der Titel der CD „Ghetto Blasters“ eine Assoziation abruft zu den Schwarzen der USA, dann wird einerseits eine Verbindung hergestellt zwischen der sozialen Situation der europäischen Zigeuner und der von Ghettobewohnern in Amerika, und andererseits auf eine Alternative zu jener Musik hingewiesen, die aus den überdimensionalen tragbaren Kassettenrecordern in jenen Ghettos erschallt. Popmusik muss nicht aus Amerika und Großbritannien kommen, sprachlich nicht und auch nicht musikalisch.