Die Filmindustrie, die ja weitgehend mit der Schallplattenindustrie verschwistert ist, hat schon früh entdeckt, dass sich der Film als idealer Werbeträger für Schlager eignet und dass umgekehrt ein erfolgreicher Hit Zuschauer ins Kino lockt. Einige Titelmelodien haben Jahrzehnte überlebt und sind Evergreens geworden. So etwa das Harry-Lime-Thema aus „Der dritte Mann“, der Walzer von Oscar Straus aus Max Ophüls’ „Reigen“, Gelsominas Motiv von Nino Rota aus „La Strada“, die Soli aus René Clements „Jeux Interdits“, die jeder Gitarrist in seinem Repertoire hat, während der seinerzeit bewunderte und mit einem Oscar ausgezeichnete Film in Vergessenheit geraten ist, oder das Jean Gabin begleitende musikalische Leitmotiv aus Jacques Beckers „Touchez pas au grisbi“, der in Deutschland unter dem Titel „Wenn es Nacht wird in Paris“ lief. Mit dem deutschen Text „Dreh dich nicht um nach fremden Schatten“ wurde auch diese effektvolle Melodie seinerzeit zu einem Schlager, den man täglich im Radio hören konnte.
Von all diesen Stücken gibt es unzählige Coverversionen. Aber sie kommen an die Originale nicht heran, denn es ist nicht zuletzt der Klang, der deren Reiz ausmacht, mittlerweile auch die Patina, die sich der (zum Glück!) unvollkommenen Technik verdankt. Einige Titel der vorliegenden CD wurden zeitnah an den Filmen, in den fünfziger Jahren, aufgenommen, die Mehrzahl aber ist den Soundtracks entnommen. So kann man die Zither von Anton Karas hören, den Mundharmonikavirtuosen Larry Adler, den grandiosen Anton Walbrook – niemand anderen also als Adolf Wohlbrück, der im Exil seinen unaussprechlichen Namen geändert hat – als Spielleiter im „Reigen“, den neben Andrés Segovia vielleicht bedeutendsten Gitarristen Narciso Yepes aus „Jeux Interdits“ oder die halligen Geigen von Mantovani. Die unvergessliche Melodie aus „La Strada“ ist leider nur in einer Orchesterfassung, nicht als melancholisches Trompetensolo enthalten. Doch insgesamt dürfte diese CD Filmfreunde der älteren Generation in Verzückung versetzen.