Omen oder Schall und Rauch?
Aber nicht alle halten Namen nur für Schall und Rauch. Der intellektuelle Dorfbäcker Joubert, der sich eigentlich zu Höherem berufen fühlt, ist schnell davon überzeugt, dass hinter so einem Namen auch eine Geschichte stecken muss, und fängt an, Gemma hinterher zu spionieren. Tatsächlich dauert es nicht lange, bis diese, vom Landleben gelangweilt, eine Affäre mit einem Adelsspross beginnt, der seine Semesterferien in dem etwas heruntergekommenen Dorfschloss verbringt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt muss Joubert, der längst selbst den Reizen seines Studienobjekts erlegen ist, mit dem Schlimmsten rechnen, denn er hat natürlich seinen Flaubert gelesen.
Joubert ist auch der Erzähler der Geschichte, die er rückblickend nach Gemmas Tod uns beichtet, da er sich selbst schuldig in sie verstrickt sieht. Gemmas Tagebücher, die er heimlich hat mitgehen lassen, und seine Beobachtungen sind die Zutaten für seine Erzählung. Dieser subjektive Blick - der zudem gefärbt ist von seiner Schwärmerei für Gemma und den Vorwürfen, die er sich selbst macht - ist eigentlich eine sehr reizvolle Konstruktion. Sie bildet auch einen deutlichen Kontrast zum kühl-sezierenden Blick, den der Erzähler bei Flaubert auf die Heldin wirft.
Leider ist diese Perspektive aber nicht konsequent umgesetzt. Die subjektive Färbung tritt nur in den direkten Kommentaren Jouberts zutage, wenn die Handlung aber von der Gegenwart des Erzählers in die Ebene der erzählten Vergangenheit springt, soll der Leser den Eindruck haben, zu sehen, was wirklich passiert ist. Deswegen werden ihm auch Details nicht vorenthalten, die Joubert eigentlich gar nicht wissen kann.