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Freitag, 25. Mai 2012 | 15:07

Thomas Kriebaum: Kleiner Tod

22.02.2012

Memento Mori

Er ist höflich, zuverlässig und stets korrekt gekleidet – doch ein gern gesehner Gast ist er nicht. Der Protagonist in Thomas Kriebaums neuem Werk Kleiner Tod hat nun wirklich keinen leichten Job. SEBASTIAN DAHM hat ihn bei der Arbeit begleitet.

 

Auf das Leben folgt der Tod – auch bei Thomas Kriebaum. Nach Leben – Ein Leitfaden widmet sich der Österreicher nun dem Kleinen Tod. Der ist, wie Cover und Titel bereits verraten, nicht nur von eher geringer Körpergröße, nein, der Herr mit dem Knochenschädel kommt bei Kriebaum auch ganz ohne barockes Weltuntergangs-Pathos, Mähutensil und Kutte aus. Mit Hut, Anzug, Sonnenbrille – alles selbstverständlich in zeitlosem Schwarz – wird der Tod hier zum Außendienstler der makabren Art.

 

Makaber und minimalistisch

Die Grundidee des bei Luftschacht erschienenen Büchleins ist schnell auf den Punkt gebracht: Der Arbeitsalltag des Gevatters wird in kurzen Strips vor dem Leser ausgebreitet. Mit sardonisch-freundlichem Lächeln und sinistrer Höflichkeit sucht der kleine Knochenmann seine »Kunden« auf, die wiederum ganz unterschiedlich, aber selten erfreut auf den Gast reagieren. Gesprochen wird dabei so gut wie  nichts und wenn, dann in Piktogramm-Sprechblasen. Ein Minimalismus, der sich in der Bildsprache fortsetzt: Nur das Notwendigste packt Kriebaum in seine Bilder, die zudem wirken, als sei die Farbe aus ihnen herausgesaugt worden. Sie sind nicht einfach in schwarz-weiß gehalten, sondern von einem fahl-grauen Schimmer durchzogen, der an einen besonders ungemütlichen Novembertag erinnert.

 

Hintergründiger Humor

Man ahnt es schon: Hier werden die eher finsteren Gefilde der Komik betreten. Dabei ist es gerade die Reduktion, die den Cartoons ihren Biss verleiht und die knochentrockenen Pointen ins rechte Licht rückt. Dennoch lohnt es sich, die Bilder etwas genauer zu betrachten, da sich einige schräge Details erst beim zweiten Hinsehen offenbaren. Beständiger Quell des schwarzhumorigen Vergnügens ist dabei der Kleine Tod selbst, der trotz des latenten Hangs zur Boshaftigkeit irgendwie sympathisch wirkt. Ob Chirurg, Schauspielerin, oder »Selbsthilfegruppe zur Trauerbewältigung« – auch die renitentesten Kunden werden zuverlässig in Jenseits befördert.

 

Zugegeben: Jedermanns Sache sind die bösen Bildergeschichten sicher nicht. Wer sich aber von dem makabren Sujet nicht abschrecken lässt, wird mit einer wahren Perle des hintergründigen Humors belohnt. Mit stilistischer Raffinesse und visueller Kreativität sticht Kleiner Tod wohltuend aus der Welle an mittelmäßigen bis unkomischen Cartoonbänden heraus, die derzeit den Büchermarkt überschwemmt. Uneingeschränkt empfehlenswert!

 

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