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Freitag, 25. Mai 2012 | 15:07

Eric Powell: The Goon

22.01.2009

Prügeln, Verstümmeln und Töten - aber unterhaltsam

Die mehrfach preisgekrönte US-Comicserie The Goon gibt es jetzt auch auf Deutsch. Von ANDREAS ALT

 

Jede neue Veröffentlichung muss angepriesen werden. Wenn es aber über die US-Comicserie „The Goon“ heißt, sie sei der „Überraschungshit der letzten Jahre“ oder einfach „eine Comic-Sensation“, dann sind das offenbar nicht nur die üblichen Marketing-Floskeln des Verlags. In Internetforen finden sich genug Spuren von hingerissenen Fans, die schon bei den ersten Hinweisen auf eine deutsche Übersetzung vor etwa einem Jahr in freudige Erregung verfielen. Hinzu kommt: „The Goon“ ist seit 2004 bereits fünf Mal mit dem Eisner Award ausgezeichnet worden, dem Preis der amerikanischen Comicindustrie. Das heißt, die Verlage sehen – unter anderem – hier ihre geschäftliche Zukunft. Gerade wird der Stoff mit Regisseur David Fincher verfilmt. Hinter der Sache steckt also mehr als ein schneller Hype.

Ein Schläger, gedungen

Die Serie ist das Hauptwerk des 33-jährigen amerikanischen Comicautors und Zeichners Eric Powell. 1999 begann er nach Lohnarbeit für die Großverlage Marvel, DC und Dark Horse, die Serie bei Avatar Press, einem Kleinverlag, und dann in Eigenregie zu veröffentlichen. 2003 griff Dark Horse zu, wo die Serie seitdem erscheint. Der Band „Krudes Zeug“ versammelt die ersten drei Hefte von 1999, angereichert um eine zweiseitige Einleitung, die den Wechsel zum Großverlag ironisiert, Strip-Versuche, die Powell zunächst im Internet veröffentlicht hatte, und Blicke in sein Skizzenbuch, die die grafische Entwicklung der Charaktere zeigen.
Der Goon ist, wie sein Name sagt, ein gedungener Schläger in einer Fantasywelt, in der Zombies und Vampire mit Mafiagangstern um die Vorherrschaft in einem Stadtviertel kämpfen. Der Titelheld, ein typisch amerikanischer Muskelprotz mit narbigem Gesicht, extrem hypertrophiertem Brustkorb und baumdicken Oberarmen, aber auch lakonisch-proletarischem Mutterwitz, hält die meist geistig unterbelichteten Horrorgestalten im Auftrag seines Bosses Labrazio (der persönlich nie auftaucht) auf Abstand. Das ist die Grundrezeptur der Serie, für die richtige Würze sorgen aber drei weitere wichtige Zutaten: Powells karikierender Zeichenstil, der seine Gangster- und Gruselgestalten beinahe zu Funnyfiguren macht, das Slapstickhafte der Auseinandersetzungen und die witzigen Dialoge, die die dennoch deftige Gewalt der Handlung bemänteln.

Und weiter?

Mehr ist da eigentlich nicht. In der dritten Episode wird zwar Goons Herkunft als elternloses Zirkuskind erzählt, aber einen Charakter, für den sich der Leser interessieren könnte, hat in dieser Serie keine der Figuren. Würde man etwa Prägungen oder Motive eines Untoten kennen lernen wollen, einer im Kino seit mindestens 80 Jahren bestens eingeführten Klischeefigur? Der Goon hat einen Sidekick namens Frankie, dessen Funktion eben als Sidekick ausreichend zugeordnet ist. Und auch über den Goon selbst braucht der Leser letztlich nicht mehr zu wissen, als dass er dazu da ist, auf allerlei unerwünschte Störenfriede im Viertel einzuschlagen – auf möglichst unterhaltsame Weise, versteht sich. Sinnvolle Handlung? Die ist hier so nötig wie beim Wrestling oder einem Computer-Killerspiel. Powell bietet einen notdürftigen Handlungsrahmen und konzentriert sich ansonsten auf blutige Action und zynische Gags, die er in ordentliche, aber nicht herausragende Zeichnungen umsetzt. Die gemalten Cover sehen allerdings wirklich gut aus.

Fans scheinen mit der originellen Variation von Prügeln, Verstümmeln und Töten vollauf zufrieden zu sein. Das Konzept wirkt wie eine Vereinfachung der bereits seit 1993 erfolgreich laufenden und auch verfilmten Dark Horse-Comicserie „Hellboy“. Ist das die Zukunft der Comics? Hoffentlich nicht.

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