Hier der berühmte Superheld Batman, der seit knapp 20 Jahren zugleich zu den zugkräftigsten Kinofiguren gehört, dort der eigenwillige maskierte Detektiv Denny Colt alias The Spirit, der nur die Augen ausgewiesener Kenner leuchten lässt, woran auch sein jüngstes Kinodebüt nicht viel ändern dürfte. Beide sind etwa zur selben Zeit entstanden - um 1940. Sie können im Kampf gegen das Böse auf keine übermenschlichen Kräfte zurückgreifen und schützen sich durch eine Geheimidentität. Sie fungieren in einigen ihrer besten Geschichten nur als Katalysator oder bloßer Beobachter des Geschehens. Zu beiden sind nun Sammelbände erschienen.
Alt und neu
Im Fall der menschlichen Fledermaus wird an einen ihrer maßgeblichen Zeichner erinnert, dem eine ganze Buchreihe gewidmet werden soll: Neal Adams. Nach und nach will der deutsche Lizenznehmer Panini Comics alle seine „Batman“-Arbeiten für den Großverlag DC ab 1968 in chronologischer Reihenfolge veröffentlichen. Der „Spirit“ hatte in seiner klassischen Periode als sonntägliche Zeitungsserie bis zu ihrer Einstellung 1952 nur einen maßgeblichen Zeichner: Will Eisner. Hier werden seine „besten Geschichten“ präsentiert.
Anders als der Held, dem er Gestalt verlieh, ist Neal Adams zumindest hier zu Lande eher Insidern ein Begriff. Er steht am Ende des Silver Age, der Phase der Wiederbelebung des Superheldengenres ab 1959, und in seiner Grafik ist der Geist der 60er Jahre nicht mehr zu finden. Sie wirkt fast zeitlos modern, zeigt aber auch noch keine Anzeichen des Manierismus, der seit den 90er Jahren ins Genre eingezogen ist. Adams kam von den Zeitungscomics, an die meist höhere Qualitätsmaßstäbe angelegt werden als an die Comicbooks. Er prägte den Batman-Serien von Anfang an eine neue Optik auf, die von einigen Comicfans bis heute als die gültige angesehen wird. Den Zeichnern, die ihm voran gegangen waren, war Adams insbesondere in Anatomie, Gesichtsausdruck, Schattenwurf, Perspektive und Dynamik überlegen. Er veränderte aber vor allem den Batman-Heldentypus: Dieser wurde körperlicher, verletzbarer, menschlicher, wenngleich er ein eleganter Abenteurer blieb.
Die Autoren der Serien, in die Adams einstieg, „World's Finest“ und „The Brave and the Bold“, waren dagegen den alten Zeiten noch eng verbunden. Beides waren Nebenserien, in denen Batman mit anderen Superhelden wie Superman, Flash, Aquaman oder sogar Sgt. Rock aus dem Genre der Kriegscomics zusammengespannt wurde. Die Paarungen werden von Texter Bob Haney und seinen Kollegen in der Regel recht reizvoll gestaltet. Batman bleibt jedoch stets auf seine Funktion als Rätsel lösender Superdetektiv beschränkt und als Persönlichkeit eindimensional und blass. Ein Privatleben, das der Konkurrenzverlag Marvel damals bereits zum Erfolgsrezept für seine Superheldenserien gemacht hatte, findet hier nicht statt. Auf ihre Kosten kommen vor allem Freunde des „Whodunit“.
Anfang der 70er Jahre gelang es Adams dann, in Zusammenarbeit mit dem Texter Denny O'Neil ein Stück der damaligen sozialen Wirklichkeit in den USA in seinen DC-Comics abzubilden. In dem ersten Neal-Adams-Band werden zwei Ausgaben von „World's Finest“ von 1968 und sechs Ausgaben von „The Brave and the Bold“ von 1968 und 1969 nachgedruckt.
Spinner und Superschurken

Will Eisner war ebenfalls ein exzellenter Zeichner, der es schaffte, die pulsierende Metropole New York in seinen „Spirit“-Comics in verblüffend realistischem Detailreichtum zum Leben zu erwecken. Bei der Gestaltung seiner Figuren bevorzugte er dagegen die karikaturistische Verzerrung, um ihnen schon rein optisch Charakter zu verleihen.
Eisner erzählte zudem Storys, insbesondere nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die auf dem begrenzten, wenn auch für eine Zeitungsbeilage üppigen Raum von sieben Seiten sehr konzentriert menschliche Schicksale und kuriose Verwicklungen des Lebens in New York verhandelten. Anfangs hatte der „Spirit“ gegen wahnsinnige Superverbrecher gekämpft. Kein Wunder: Die Serie war schließlich als Antwort auf die erfolgreich gestarteten Superhelden-Comichefte wie „Batman“ gedacht, die den Zeitungen die Comicfans unter ihren Lesern abspenstig machten. Später verwandelten sich die Gegner des „Spirit“ in - zugegeben oft skurrile oder spinnerte - Alltagsgauner, und der Held wurde zur Nebenfigur degradiert. Eisner orientierte sich nach eigener Aussage an der Prosa von Bierce, Maupassant und O. Henry.
Nach etwa 600 Spirit-Folgen hatte Eisner keine Lust mehr. Es dauerte bis 1974, bis der Warren Verlag begann, sie in Comicmagazinen nachzudrucken. Nachdem der „Spirit“ sich in den Zeitungen durchaus eine große Fangemeinde erworben hatte, war er inzwischen, nach mehr als 20 Jahren, beim breiten Publikum vergessen. In Deutschland wurde er 1975 in Carlsens „Weltberühmte Zeichenserien“ präsentiert, und 1977 folgte ein gut gemachtes „Spirit“-Sonderheft im Nelson Verlag. Der Salleck Verlag, der seit 2002 eine noch nicht abgeschlossene „Spirit“-Gesamtausgabe stemmt, hat nun, rechtzeitig zum Kinostart, diesen in USA ebenfalls bei DC erschienenen Reader herausgebracht, der nur an einem schier unlösbaren Problem scheitert: Für einen „Best of“-Band gibt es einfach zu viele herausragende „Spirit“-Comics. Bezeichnend immerhin: 20 der 22 ausgewählten Storys stammen aus den Jahren 1946 bis 1950, als Eisner in Hochform war.
Auch sonst ist der Band ein guter Einstieg für Leser, die durch den Kinostreifen von Frank Miller oder aus anderen Gründen gerade erst auf den „Spirit“ aufmerksam geworden sind. Neil Gaiman führt auf sehr persönliche Weise in das Werk Will Eisners ein, und am Ende des Bandes liefert Verleger Eckart Schott ein knappes, aber als erste Information brauchbares Porträt des Künstlers.
Der „Batman“-Band bietet da deutlich weniger. Es werden zwar die Cover der verwendeten Ausgaben abgebildet, aber Redakteur Steve Kups beschränkt sich auf eine wenige Zeilen umfassende Einführung ins Thema. „Was soll man zu einem anerkannten Comic-Großmeister wie Neal Adams noch schreiben“, entschuldigt er sich gleich zu Beginn. Aber es ist zumindest zweifelhaft, ob der Zeichner hier in Deutschland wirklich jedem Comicleser ein Begriff ist. Ein paar Hintergründe hätte man auch deshalb gern erfahren, weil dieser Band ja keine „Best of“-Anthologie ist, sondern Adams' Anfänge im Superhelden-Comicbook-Geschäft dokumentiert. Für den Comicleser-Nachwuchs, der Neal Adams nicht kennen kann, scheint man bei Panini wenig übrig zu haben.