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Freitag, 25. Mai 2012 | 15:09

M. Johnson, T. Jones / D. Messina: Star Trek - Countdown

14.05.2009

Geist sucht Körper

Tim Jones und Mike Johnson haben sich viel vorgenommen: Ihr Star Trek: Countdown soll die Lücke schließen zwischen den letzten Star Trek-Filmen, in denen es um die Abenteuer der Next Generation um Picard und Data ging, und dem neuen Prequel um die Originalmannschaft von James T. Kirk und Spock. Doch der Comic beweist, dass, was inhaltlich gelingen mag, weder den Geist einer Serie noch den eines Filmes unbedingt treffen muss. Von MATTHIAS ROß

 

Acht Jahre nach den Ereignissen in Star Trek: Nemesis. Kaum haben die Romulaner auf ihrem Heimatplaneten die Macht von den Remanern wieder zurückerobert, da bedroht eine Naturkatastrophe das Reich. Ein benachbarter Stern ist zur Supernova geworden und steht davor, Romulus zu verschlingen. Botschafter Spock bietet die Hilfe von Föderation und Vulkan an. Bei seiner Rettungsaktion sollen ihm der romulanische Bergbauspezialist Nero und seine Crew assistieren, doch schnell zeigt sich, dass Spocks Hilfsangebot vorschnell war: Aus Angst vor der aggressiven romulanischen Expansionspolitik verweigert der vulkanische Wissenschaftsrat den Romulanern die nötige Technologie, um die Katastrophe noch zu verhindern. Romulus wird von der Supernova zerstört. Nero schwört Spock, Vulkan und der ganzen Föderation Rache...

Mike Johnson und Tim Jones sind zwei relativ unbekannte Namen in der Welt der Comics. Tatsächlich verfügen die Autoren nur über wenig Erfahrung mit dem Medium und arbeiten eigentlich für die Firma der Drehbuchautoren des neuen Star Trek-Films, Roberto Orci und Alex Kurtzman, aus deren Script sie die Geschichte von Star Trek: Countdown entwickelten. Während Mike Johnson zumindest schon einmal vier Hefte einer Batman/Superman-Serie veröffentlich hat und nun an einer Comicadaption der Serie Fringe arbeitet, ist Tim Jones ein völlig unbeschriebenes Blatt. Dennoch gelingt beiden mit Star Trek: Countdown ein Comic, der funktioniert und überzeugend ist: Ein gutes Gespür für Timing, Tempo und behutsam ausbalancierte Seiten- und Paneldesigns sorgen für Spannung und einen ununterbrochenen Lesefluss.

Mängel in der Gestaltung

Ein gewaltiges Manko liegt jedoch in der Figurengestaltung. Nach Aussage von Tim Jones soll Countdown eine „ergreifende Charakterstudie“ des Bösewichts Nero sein, der im Film eher blass bleibt und mehr die archetypische Verkörperung des antagonistischen Prinzips als einen richtigen Charakter darstellt. Doch dieses Ziel erreichen Jones und Johnson leider nicht. Zu holzschnittartig verläuft Neros Entwicklung zum rachebesessenen Psychopathen: Die Stufen vernünftiger Vater – enttäuschter romulanischer Patriot – rasender Berserker werden entschieden zu sprunghaft genommen, um glaubwürdig zu sein. Gerade die Endstation selbstmörderischer Wahnsinn wirkt wie eine Pose; genauso aufgesetzt wie die Tätowierungen, die Nero sich als Zeichen der Trauer um seinen verlorenen Planeten in die Stirn sticht.
     
Ebenso stereotyp bleiben die anderen Figuren, was zu einem nicht geringen Anteil aber auch dem Artwork von David Messina geschuldet ist. Der Italiener, der vor allem für Comics bekannt ist, die auf der Fernsehserie Angel basieren, ist zwar ein begabter Zeichner von Actionszenen, Architektur und Raumschiffen, doch scheitert er völlig daran, seinen Figuren mehr als ein, zwei verschiedene Gesichtsausdrücke zu verleihen: Egal was geschieht, seine Figuren schauen meist ziemlich neutral, auch wenn gerade ihre Welt untergegangen ist. So bleibt dem Leser der emotionale Zugang zur Geschichte weitgehend verwehrt.

Griff in die Geschichte


Überhaupt trifft Star Trek: Countdown den Geist und den Gestus der Film- und Fernsehserie nicht. Das große Thema von Star Trek war stets die Hoffnung: auf eine bessere Welt, eine goldene Zukunft, Hoffnung darauf, dass der Mensch alle Schwierigkeiten und Probleme bewältigen kann. Auch wenn der neue Star Trek-Film in vielem eigene Akzente setzt und sicher einige Veränderungen gegenüber seinen Vorgängern aufweist, die für alte Trekkies nur schwer verdaulich sein werden (z.B. dass Captain Kirk Beastie Boys hört), so ist doch zumindest dieser optimistische Star Trek-Ton erhalten geblieben – dass der Kadett Kirk sich weigert, das Ergebnis des Kobayashi Maru-Tests zu akzeptieren, bei dem man nur verlieren kann, kommt nicht von ungefähr und ist schon immer ein kanonisches Element der Star Trek-Mythologie gewesen.

Countdown präsentiert sich hier direkt als Antithese zu den Filmen: Die Hoffnung, Romulus noch retten zu können, wird enttäuscht. Spock muss damit leben, Nero zerbricht daran. Deshalb fällt der Comic düsterer aus als alle Filme: der charakteristische Humor der Serie und die Fähigkeit zur Selbstironie, die auch dem neuen Film nicht abgehen, fehlen Countdown völlig. Man hat das Gefühl, das Jones und Johnson im Star Trek-Universum nicht wirklich zu Hause sind. Das erkennt man auch daran, dass den von den Fans geliebten Figuren, wie Picard, Geordi, Worf und dem von den Toten auferstandenen Data zwar kurze Auftritte gegönnt werden, die Geschichte aber nichts mit ihnen anzufangen weiß – anonyme Flottenoffiziere hätten es auch getan. Star Trek: Countdown könnte ein guter Science Fiction-Comic sein, wenn es nicht gerade eine Star Trek-Geschichte wäre. Schade.

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