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Freitag, 25. Mai 2012 | 15:13

Morvan/Yann/Munuera: Zu den Ursprüngen des Z

17.09.2009

(Zeit)Reise ins Verderben

Es ist schon eine Crux mit den Zeitreisen. Viele physikalische Zusammenhänge sind zu beachten, die Gefahren kaum abzuschätzen. Deshalb sollte man als Laie lieber die Finger davon lassen. Die Autoren des neuen Spirou-Bandes Zu den Ursprüngen des Z haben es leider nicht getan… Von CHRISTOPHER FRANZ

 

Da ist es nun: das in Frankreich 50. Album der beiden Helden Spirou und Fantasio. Glücklicherweise – das sei schon hier gesagt – trägt es der deutschen Zählung nach „lediglich“ die Bandzahl 48. Etwas ganz besonderes sollte er schon sein, dieser Jubiläumsband. Schließlich können nur wenige Serien auf eine über 70jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Leider liest sich das Album vielmehr wie ein Abgesang, denn als eine Hommage. Aber der Reihe nach: Die Geschichte, die sich die Autoren mit einigen Schwierigkeiten – anders kann man das Mitwirken des bekannten Texters Yann als Co-Autor nicht erklären – ausgedacht haben, erscheint auf den ersten Blick ganz passabel. Zyklotrop bittet Spirou um seine Hilfe bei der Rettung der todkranken Miss Flanner. Er schickt ihn mit seinen berühmt-berüchtigten Zyklostrahlen in die Vergangenheit, um ein verheerendes Experiment verhindern, bei dem Miss Flanner verstrahlt wurde. Eine direkte Reise ist unmöglich. So muss Spirou mit Hilfe von Erinnerungsstücken seiner bisherigen Abenteuer peu à peu auf der Zeitachse zurückspringen. Dass er dabei diese Geschichten aus einer neuen Perspektive erlebt und sich sogar selbst begegnet, ist ein Ansatz, der durchaus Potenzial besitzt. Dass dabei jedoch das Zeitkontinuum kräftig durchgewirbelt wird, versteht sich von selbst. Das Ende, mit dem die Autoren aufwarten, kann jedoch bestenfalls nur als misslungen bezeichnet werden.

Das dicke Ende kommt zum Schluss

Es ist ein Armutszeugnis für die Autoren, wenn ihnen als mögliche Optionen für einen Jubiläumsband nur der Tod, wie dem Bonusmaterial zu entnehmen ist, oder die komplette Umschreibung der Lebensgeschichte des Hauptcharakters einfallen. Man wird das Gefühl nicht los, dass es sich bei dem letzten Album der beiden um eine Abrechnung mit Spirou und Fantasio handelt. Die Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Erbe der Serie legt diese Vermutung zumindest nahe. In zeichnerischer Hinsicht kann man ihnen jedoch reichlich wenig vorwerfen. Die Bilder Munueras sind dynamisch und ansprechend, folgen sie auch einer anderen Ästhetik als die klassischen Zeichnungen der École Marcinelle. Dass man damit den Ansprüchen der Franquin-Puristen nicht gerecht wird, war vorhersehbar und gewollt, lebt die Serie doch von den Eigenarten und den unterschiedlichen Stilen der verschiedenen Zeichner. Und auch auf erzählerischer Ebene ist ein ausgewogenes Verhältnis von lustigen und actionreichen Momenten gefunden worden.

Spirou – quo vadis?

Das Projekt des Verlages, mit dem Relaunch 2005 und dem neuen Autorenduo Spirou und Fantasio fit fürs 21. Jahrhundert zu machen, muss in dieser Form für gescheitert erklärt werden. Die Frischzellenkur, namentlich die „Mangaisierung“ der Serie, die mit dem Vorgängeralbum Spirou in Tokyo ihren Höhepunkt und Bodensatz erreichte, vergrämte mehr treue Fans, als dass sie neue begeisterte. Mit dem vorliegenden Band ist nun die Dekonstruktion eines Klassikers gänzlich vollzogen worden. Nachdem die Chronologie aufs Massivste gestört ist, muss die Frage erlaubt sein, wie es weitergehen soll. Ein neues Autorenteam wurde mit Fabien Vehlmann (Text) und Yoann (Zeichnungen) schon gefunden; das Nachfolgealbum ist in Deutschland für Anfang 2010 angekündigt. Spannend wird sein, wie die Autoren sich aus der Bredouille ziehen. Die beiden haben zumindest schon mal angekündigt, den Stil der Zeichnungen zu „franquinisieren“ und somit an alte Hochzeiten der Serie anzuknüpfen. Zumindest dies sollte die Fans versöhnlich stimmen, ebenso wie die damit einhergehende Hoffnung, dass der nach deutscher Zählweise 50. Band dann gelungener ausfallen wird.

 

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