Wie professionell, gerade in ihrer Arbeitsteilung, amerikanische Comics hergestellt werden, lässt sich an Jack of Fables 2: Viva Las Vegas wunderbar ablesen. Sowohl Zeichnungen als auch Farbgestaltung der Einzelhefte sind stilistisch kaum voneinander zu unterscheiden. Und das, obwohl sie aus diversen Federn stammen. Insgesamt drei Zeichner und zwei Koloristen haben die sechs Episoden zu Papier gebracht. Weichen sie dennoch einmal voneinander ab, hat dies inhaltliche Gründe. So ist der eigentlichen Geschichte im sonnigen Spielerparadies eine Erzählung aus Jacks alten Tagen vorangestellt, die Steve Leialoha in den ersten beiden Heften auch grafisch leicht variiert. Stärker als seine Kollegen wechselt er zwischen detailgetreuen Gesichtszügen in Nah- und bis zur Abstraktion reduzierten in Distanzansichten. Auch seine losere Anordnung freihändig gezogener Panels, die sich der starren, streng geometrischen Seitenarchitektur der folgenden vier Episoden entzieht, sticht ins Auge. Die anschließenden Ereignisse in Las Vegas, der Stadt der vielen Casinospiele, scheinen hingegen wie aus einem Guss, gerade so, als ob Tony Akins und Andrew Pepoy ihren Zeichenstil bereits perfekt aufeinander abgestimmt hätten.
Roulette als Wille und Vorstellung
Nach Jacks Flucht aus einem Gefangenenlager für Märchenfiguren (vgl. die "Titel-Magazin"-Rezension vom 20. August) und einem kurzen Zwischenstopp in den eisigen Bergen Wyomings zieht es ihn in wärmere Gefilde. Die Wahl fällt leicht. Schließlich gibt es für den Hochstapler unter den Märchengestalten keine verlockendere Stadt als das Glückspieleldorado im Süden Nevadas. Einen ganz besonderen Trumpf hält Jack in Person seines Kumpels Gary in der Hand. Durch dessen Fähigkeit, leblosen Gegenständen seinen Willen aufzuzwängen, tanzt die Kugel beim Roulette nur noch nach Jacks Pfeife. Wer seine Biografie und die Konzeption der Serie kennt, weiß jedoch, dass Jack das Glück nie lange hold ist. Und so geben sich auch in Viva Las Vegas Pech und Glück die Klinke in die Hand. Gesperrten Konten auf den Kaimaninseln folgen irrsinnige Gewinne im Kasino. Unvorhergesehenes Liebesglück endet tödlich. Der Triumph über den ärgsten Widersacher mündet schließlich in die eigene Niederlage.
Business as usual
Trotz alledem ist der zweite Band von Jack of Fables erstaunlich unterhaltsam. Bill Willingham und Matthew Sturges haben den Weg zum vorherbestimmten Ende, an dem Jack erneut mit leeren Händen am Straßenrand steht, mit einigen netten Einfälle versehen. Besonders der verschrobene Gary mit seinen weltfremden Eigentümlichkeiten lässt einen ein ums andere Mal schmunzeln. Und auch eine kleine Nebenepisode um zwei jugendliche Nerds in ihrer ganz eigenen Welt zwischen Web 2.0 und Rollenspiel ist pointiert getroffen. Der Band liest sich aber auch erstaunlich schnell. Die netten Bonmots und popkulturellen Zitate täuschen nicht über eine gewisse Belanglosigkeit der Geschichte hinweg. Der Tiefgang, der dem ersten Band noch inne wohnte, wird hier vollends zugunsten einer glänzenden Oberflächenästhetik geopfert. Zu routiniert wirkt alles. Wie aus einem Guss sind die Episoden auch erzählerisch, was dem Lesespaß an Jack of Fables 2 zwar keinen Abbruch tut, den Band aber seltsam steril wirken lässt.